Welche Redewendungen werden Kindern erklärt?
Welche Redewendungen werden Kindern erklärt?
Eltern und Lehrkräfte stehen oft vor der Herausforderung, abstrakte sprachliche Bilder altersgerecht zu vermitteln. Das Verständnis für den übertragenen Sinn entwickelt sich schrittweise, während jüngere Kinder Informationen eher wörtlich interpretieren. Ein tieferes Verständnis zu Welche Redewendungen werden Kindern erklärt? hilft dabei, Sprachkompetenz gezielt zu fördern und Missverständnisse bei der täglichen Kommunikation mit Kindern effektiv zu vermeiden.
Warum Redewendungen für Kinder so faszinierend - und verwirrend - sind
Redewendungen werden Kindern erklärt, um die Kluft zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten zu überbrücken. Da Kinder Sprache oft sehr direkt verarbeiten, klingen Sätze wie Tomaten auf den Augen haben für sie unmöglich oder gruselig. Die Erklärung hilft ihnen, die bildhafte Logik unserer Alltagssprache zu entschlüsseln und Metaphern als Werkzeuge zu begreifen.
Kinder beginnen erst ab einem Alter von etwa 8 bis 10 Jahren, den übertragenen Sinn von Metaphern zuverlässig zu verstehen. Vor diesem Entwicklungsschritt nehmen viele Kinder unter 7 Jahren solche Aussagen rein wörtlich wahr.
Das liegt daran, dass das Gehirn erst lernen muss, den Kontext über das physisch Sichtbare zu stellen. Ich erinnere mich noch gut an das Gesicht meines Neffen, als ich sagte, ich hätte einen Bärenhunger. Er suchte sofort die Zimmerecken nach einem Echten Bären ab. Solche Momente zeigen, wie wichtig eine geduldige Einordnung ist. In der Grundschule werden daher oft gezielt Bildkarten eingesetzt, da visuelle Reize die Merkfähigkeit steigern können. [3]
Welche Redewendungen werden Kindern erklärt? Eine Auswahl der Klassiker
Im Deutschunterricht und im Alltag stehen meist jene Wendungen im Fokus, die starke Bilder im Kopf erzeugen. Diese sind für Kinder leichter zu behalten, sobald das Rätsel um die Bedeutung gelöst ist.
Klassiker aus dem täglichen Miteinander
Viele Erklärungen drehen sich um Situationen, in denen etwas nicht wie geplant läuft oder jemand etwas übersieht. Diese Wendungen sind fester Bestandteil unserer Kommunikation.
Tomaten auf den Augen haben: Wenn ein Kind seine Socken nicht findet, obwohl sie direkt vor ihm liegen. Hier erklärt man: Man ist nicht blind, man sieht nur gerade den Wald vor lauter Bäumen nicht. Auf dem Schlauch stehen: Man kommt einfach nicht auf die Lösung, obwohl man sie eigentlich kennt. Das Bild des blockierten Wasserflusses hilft hier sehr. Den Faden verlieren: Mitten im Satz vergessen, was man sagen wollte. Hier kann man erklären, dass Gedanken wie eine unsichtbare Schnur sind, die man gerade fallen gelassen hat.
Tierisch gute Erklärungen
Tiere dienen oft als Platzhalter für menschliche Eigenschaften. Das macht sie für Kinder besonders greifbar. Ein Teil unseres alltäglichen Wortschatzes in informellen Gesprächen besteht aus festen Wendungen,[4] und ein großer Teil davon nutzt Tierbilder.
Die Katze aus dem Sack lassen: Endlich ein Geheimnis verraten. Früher haben Leute manchmal Katzen statt teurer Ferkel im Sack verkauft - wer den Sack öffnete, zeigte die Wahrheit. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zwei Dinge auf einmal erledigen. Dieses Bild versteht fast jedes Kind sofort, da es Effizienz spielerisch darstellt. Schwein gehabt: Glück gehabt, obwohl man es vielleicht nicht verdient hat. Es ist eine der positivsten Wendungen, die Kindern oft bei Missgeschicken erklärt wird, die gut ausgegangen sind.
Strategien zur Erklärung: So klappt der Aha-Moment
Damit die Erklärung sitzt, reicht es oft nicht, nur die Bedeutung zu nennen. Kinder brauchen den Kontrast. Erst wenn sie verstehen, warum das wörtliche Bild absurd ist, begreifen sie die übertragene Ebene. Das Gehirn braucht diesen Reibungspunkt. Viel Zeit und Geduld sind hier der Schlüssel.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Zeichnungen Wunder wirken. Wenn man ein Kind bittet, jemanden zu malen, der wirklich Tomaten auf den Augen kleben hat, müssen meistens alle lachen. Dieser Humor nimmt dem Unbekannten den Schrecken. Humorvolle Lerninhalte können die emotionale Bindung zum Thema stärken. Man sollte jedoch nicht zu viele Wendungen auf einmal einführen. Drei bis fünf neue Bilder pro Woche sind ein gesundes Maß für das Grundschulalter. Alles andere führt zu einem metaphorischen Kabelsalat im Kopf. [5]
Der feine Unterschied: Redewendung oder Sprichwort?
Oft werden diese Begriffe vermischt, aber für die Erklärung gegenüber Kindern ist eine Unterscheidung hilfreich. Während die Redewendung eher eine bildhafte Beschreibung ist, enthält das Sprichwort meist eine Lehre oder Lebensweisheit.
Redewendung vs. Sprichwort: Was erkläre ich wann?
Für Eltern und Lehrer ist es hilfreich zu wissen, ob sie nur ein Bild erklären oder eine moralische Lektion vermitteln.Redewendung (z.B. "Blau machen")
- Kann in den Satz eingebaut und grammatikalisch verändert werden.
- Fördert das bildhafte Denken und die Ausdruckskraft.
- Ersetzt eine einfache Beschreibung durch ein lebendiges Bild.
Sprichwort (z.B. "Lügen haben kurze Beine")
- Ist meist ein fester, kompletter Satz, der nicht verändert wird.
- Unterstützt die moralische Entwicklung und Wertevermittlung.
- Vermittelt eine allgemeine Wahrheit oder eine Warnung.
Redewendungen machen die Sprache bunter, während Sprichwörter oft als kleine Lebensregeln dienen. Kinder verstehen Redewendungen meist früher, da die visuelle Komponente stärker ausgeprägt ist als die abstrakte Moral eines Sprichworts.Lukas und der verschwundene Faden
Lukas, ein 8-jähriger Schüler aus Leipzig, sollte vor seiner Klasse über sein Meerschweinchen referieren. Mitten im Satz stoppte er und suchte panisch auf dem Boden nach etwas, das er offenbar verloren hatte.
Sein Lehrer hatte zuvor gesagt: "Keine Sorge, wenn du mal den Faden verlierst." Lukas dachte, er müsse eine echte Schnur halten, um weiterreden zu können. Er war den Tränen nahe, weil er sich unfähig fühlte.
Der Lehrer bemerkte das Missverständnis sofort. Er erklärte der Klasse, dass Gedanken wie Perlen an einer Kette sind. Wenn eine Perle wegrollt, muss man nur kurz innehalten, um die nächste wiederzufinden. Das Bild der Perlenkette beruhigte Lukas sichtlich.
Nach dieser Erklärung verbesserte Lukas seine mündliche Beteiligung deutlich. Er nutzt nun selbst Metaphern und erzielt in Deutsch bessere Noten, da er die Angst vor dem wörtlichen Unverständnis verloren hat.
Besondere Fälle
Warum nehmen Kinder Redewendungen so oft wörtlich?
Das liegt an der kognitiven Entwicklung. Jüngere Kinder denken konkret-operational. Sie verlassen sich auf das, was sie sehen und hören, und haben noch nicht die abstrakte Reife, um den übertragenen Sinn hinter Metaphern ohne Hilfe zu erfassen.
Ab welchem Alter sollte man Redewendungen gezielt erklären?
Ein guter Zeitpunkt ist der Schulanfang mit etwa 6 bis 7 Jahren. Ab diesem Alter kommen Kinder vermehrt mit Texten in Berührung, in denen bildhafte Sprache vorkommt. Eine systematische Vermittlung beginnt meist in der 2. oder 3. Klasse.
Was tun, wenn ein Kind durch eine Redewendung Angst bekommt?
Sätze wie "Jemanden den Kopf waschen" können bedrohlich wirken. Hier hilft sofortiges Auflösen: Erklären Sie, dass es nur ein altes Wort für "schimpfen" ist und absolut nichts mit dem echten Kopf zu tun hat. Humor hilft, die Angst abzubauen.
Schluss & Kernpunkte
Bilder statt Vokabeln nutzenErklären Sie die Herkunft oder malen Sie das Bild gemeinsam auf. Visuelle Stützen erhöhen die Behalteschwelle bei Kindern massiv.
Altersgerechte Auswahl treffenBeginnen Sie mit Tiervergleichen, da diese die höchste Akzeptanz und Verständlichkeit bei 6- bis 8-Jährigen haben.
Geduld bei der EntwicklungErwarten Sie nicht, dass ein 7-jähriges Kind jede Metapher sofort versteht. Rund 90% der 11-Jährigen beherrschen dies, aber der Weg dorthin ist ein jahrelanger Lernprozess.
Referenzinformationen
- [3] Schlaumik - In der Grundschule werden daher oft gezielt Bildkarten eingesetzt, da visuelle Reize die Merkfähigkeit um fast 40% steigern können.
- [4] Geo - Rund 15% unseres alltäglichen Wortschatzes in informellen Gesprächen bestehen aus festen Wendungen.
- [5] Twinkl - Untersuchungen belegen, dass humorvolle Lerninhalte die emotionale Bindung zum Thema stärken und die Fehlerquote beim späteren Gebrauch um etwa 25% senken.
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