Woher kommt die Redewendung?

0 Aufrufe
Woher kommt die Redewendung 'aus dem Effeff'? Sie stammt aus den römischen Gesetzessammlungen, den Pandekten. In juristischen Texten wurde die Abkürzung ff. für und die folgenden Paragraphen verwendet. Diese Abkürzung stand für umfassendes Wissen, da man die gesamte Passage ohne Nachschlagen beherrschte. Daraus entwickelte sich die Bedeutung, etwas vollständig zu beherrschen und als Experte zu gelten. Somit bedeutet 'aus dem Effeff' die vollständige Beherrschung einer Sache ohne Nachschlagen.
Kommentar 0 Gefällt mir
Vielleicht möchten Sie auch fragen?Mehr

Woher kommt die Redewendung 'aus dem Effeff'?

Die deutsche Sprache steckt voller Redewendungen mit überraschenden Ursprüngen. Woher kommt die Redewendung aus dem Effeff? Ihre Herkunft ist eng mit der Rechtsgeschichte verbunden und zeigt, wie sich Fachbegriffe in den Alltag übertragen. Das Verständnis dieser Hintergründe hilft, die Sprache lebendiger zu nutzen.

Was sind Redewendungen und warum sind sie so besonders?

Redewendungen sind das Salz in der Suppe unserer Sprache. Sie machen Gespräche lebendiger, verleihen unseren Gedanken Bildhaftigkeit und transportieren oft komplexe Sachverhalte in wenigen Worten. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Ihre Bedeutung erschließt sich nicht direkt aus den einzelnen Wörtern. Wenn wir sagen Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen, geht es ja nicht wirklich um ein Insekt und unser innerstes Organ, sondern darum, dass wir schlecht gelaunt oder gereizt sind (citation:1).

Die Herkunft von Redensarten ist so vielfältig wie das Leben selbst. Sie stammen aus alten Handwerksberufen, dem Militär, der Seefahrt, der Bibel, der Literatur oder dem mittelalterlichen Alltag. Oft sind sie Jahrhunderte alt und erzählen kleine Geschichten aus einer vergangenen Welt. Diese historischen Wurzeln sind wie kleine Schätze, die darauf warten, gehoben zu werden. Ich finde es jedes Mal faszinierend, wenn ich hinter die Kulissen eines scheinbar alltäglichen Ausdrucks blicke und eine völlig überraschende Entstehungsgeschichte entdecke.

Redewendungen aus dem Militär und Kriegsgeschehen

Einige der bekanntesten Redewendungen haben ihren Ursprung in militärischen Kontexten. Sie spiegeln oft die Härte, den Drill oder die technischen Gegebenheiten ihrer Zeit wider.

Das berühmte 08/15 – vom Maschinengewehr zum Allerweltsbegriff

Warum sagt man 08/15? Die vielleicht bekannteste deutsche Redewendung für etwas völlig Normales, Durchschnittliches oder Langweiliges ist 08/15. Kaum einer ahnt, dass sich dahinter eine der prägendsten Waffen des Ersten Weltkriegs verbirgt: das Maschinengewehr 08/15.

Die kaiserliche Armee führte 1908 das MG 08 ein, eine weiterentwickelte, leichtere Version folgte 1915 und trug die Bezeichnung 08/15. Von diesem Modell wurden etwa 130.000 Stück produziert, es war rund 19,5 Kilogramm schwer und galt unter Soldaten als wenig komfortabel im täglichen Einsatz. Der monotone Drill mit genau dieser Waffe machte 08/15 schließlich zum Sinnbild für stupide Routine und Einfallslosigkeit. Jahrzehnte später, in den 1950er Jahren, verhalf eine erfolgreiche Roman-Trilogie von Hans Hellmut Kirst dem Ausdruck endgültig zu seinem Siegeszug in der Alltagssprache.

Die Flinte ins Korn werfen – wenn Soldaten aufgeben

Wenn jemand vorschnell aufgibt, werfen wir ihm vor, die Flinte ins Korn zu werfen. Der Ursprung deutscher Redewendungen wie dieser ist ziemlich eindeutig und stammt aus der Zeit der Söldnerheere im 17. und 18. Jahrhundert (citation:6). Die Kampfmoral dieser gegen Geld kämpfenden Truppen war oft gering. Drohte eine Schlappe, machten sich viele Söldner lieber aus dem Staub, als sinnlos zu sterben. Auf der Flucht entledigten sie sich ihrer schweren und sperrigen Waffen – und warfen sie einfach ins Kornfeld. Das war klüger als zu kämpfen, aber natürlich nicht im Sinne ihrer Auftraggeber.

Handwerk und mittelalterliches Leben als Sprachquellen

Viele Redewendungen entspringen der Arbeitswelt unserer Vorfahren. Sie geben Einblick in alte Techniken, Bräuche und die Alltagssorgen der Menschen.

Was hat es mit dem "Nähkästchen" auf sich?

Heute plaudern vor allem Prominente in Interviews aus dem Nähkästchen und verraten private Details. Früher war das Nähkästchen der Frauen buchstäblich ein kleiner Kasten, in dem sie neben Nähzeug auch persönliche Andenken, Briefe und kleine Geheimnisse aufbewahrten. Wer daraus „plauderte“, verriet also intime Dinge. Die Redewendung hat sich bis heute gehalten, auch wenn das Möbelstück selbst aus den meisten Haushalten verschwunden ist.

Den inneren Schweinehund überwinden

Nicht nur im Sport, auch im Büro oder beim Lernen müssen wir oft unseren inneren Schweinehund überwinden. Woher kommt der Ausdruck eigentlich? Die Herkunft ist nicht endgültig geklärt, wird aber oft mit der Jägersprache in Verbindung gebracht (citation:1). Der Schweinehund, eine Kreuzung aus Wildschwein und Hund, galt als besonders störrisch und schwer zu führen – ein schönes Bild für die Trägheit und den Widerstand in uns selbst, den es zu besiegen gilt.

Klappe zu, Affe tot – Vorstellungsende im Zirkus

Diese flapsige Redewendung für „Die Sache ist erledigt, mehr gibt es nicht zu sagen“ stammt höchstwahrscheinlich aus dem Zirkusmilieu. Früher traten dort häufig Gaukler mit dressierten Affen auf. War die Nummer vorbei, wurde der Affe schnell in seine Kiste gesperrt – Klappe zu – und die Vorstellung war beendet. Für das Publikum war der Affe damit gewissermaßen „aus der Szene verschwunden“. Daraus entwickelte sich die Redewendung für ein endgültiges Ende ohne weitere Diskussion.

Wenn die Antike und ferne Länder Pate standen

Nicht alle Redewendungen sind in deutschen Landen entstanden. Manche haben wir aus anderen Sprachen übernommen oder sie gehen auf antike Überlieferungen zurück.

Aus allen Wolken fallen – von Aristophanes bis heute

Wenn uns eine Nachricht völlig unvorbereitet trifft, fallen wir oft „aus allen Wolken“. Diese Redewendung ist sehr alt und lässt sich bis in die antike Literatur zurückverfolgen. Sie wird häufig mit dem griechischen Komödiendichter Aristophanes (geboren 445 v. Chr.) und seinem Stück „Die Vögel“ in Verbindung gebracht. Darin beschreibt er die fantastische Stadt „Wolkenkuckucksheim“, einen Ort der Träume und Illusionen. Wer also bildlich gesprochen aus den Wolken fällt, wird plötzlich aus einer Traumwelt in die harte Realität zurückgeholt.

Etwas aus dem Effeff können – das römische Erbe

Wer etwas aus dem Effeff beherrscht, gilt als echter Experte. Die Herkunft dieser Wendung wird oft mit den Gesetzessammlungen des römischen Rechts in Verbindung gebracht, den sogenannten Pandekten. In juristischen Zitierweisen wurde dabei häufig die Abkürzung „ff.“ verwendet, die für „und die folgenden Paragraphen“ steht. Daraus entwickelte sich im Sprachgebrauch die Vorstellung von umfassendem, sicher beherrschtem Wissen. Wer etwas „aus dem Effeff“ kann, beherrscht es also vollständig und ohne nachschlagen zu müssen.

Treulose Tomate – ein Kind des Weltkriegs?

Eine etwas rätselhafte Tomate ist die treulose. Warum ausgerechnet dieses Gemüse? Eine Theorie besagt, dass der Ausdruck im Ersten Weltkrieg entstand (citation:3). Die Italiener, die viele Tomaten aßen, verließen den Dreibund mit Deutschland und Österreich-Ungarn und schlossen sich den Alliierten an. Aus deutscher Sicht galten sie damit als unzuverlässig und treulos. Eine andere, weniger politische Erklärung verweist auf die mangelnde Haltbarkeit der Tomate selbst – sie wird eben schnell schlecht, also treulos (citation:3).

Von der Antike bis ins Büro: Ein Vergleich

Die folgende Gegenüberstellung zeigt, wie unterschiedlich die Ursprünge unserer Redewendungen sein können – von der hohen Literatur bis zum simplen Büroalltag.

Drei Redewendungen und ihre ganz unterschiedlichen Wurzeln

Hier sehen Sie drei Beispiele, die aus völlig verschiedenen Welten stammen und doch alle fest in unserem Sprachgebrauch verankert sind.

Die Redewendung: Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen Herkunft: Literatur Kontext: Die Redewendung wurde durch den Dichter Christoph Martin Wieland (1733-1813) populär, der sie in seinem Roman Aristipp verwendete (citation:6). Sie beschreibt, wie jemand den Überblick verliert, weil er sich in Details verliert.

Woher kommt die Redewendung: Alles in Butter Herkunft: Mittelalterlicher Handel Kontext: Wertvolle Gläser wurden einst in Fässern mit flüssiger Butter versandt (citation:1). Die erstarrte Butter fixierte die Ware und schützte sie vor Bruch. Wenn also alles in Butter war, kam die Fracht heil an. Die Redewendung: Ablage P Herkunft: Moderne Bürokratie Kontext: P steht hier schlicht für Papierkorb (citation:2)(citation:9). Die Redewendung ist ein nüchterner Ausdruck der modernen Arbeitswelt für etwas, das entsorgt werden kann.

Diese Beispiele zeigen, wie Sprache lebendig bleibt und sich ständig weiterentwickelt. Während die Ablage P erst mit dem Aufkommen der modernen Bürokratie entstehen konnte, tragen wir mit aus allen Wolken fallen ein Stück antiker Kultur in unserem Alltag mit uns herum. Ich finde, das ist eine ziemlich schöne Vorstellung.

Fazit: Eine Reise durch die Sprachgeschichte

Die Geschichte hinter Redewendungen zu erforschen, ist wie eine Zeitreise. Sie führt uns in überfüllte Zirkuszelte, auf staubige Schlachtfelder, in mittelalterliche Handwerksstuben und zu den Dichtern des antiken Griechenlands. Jedes Mal, wenn wir eine dieser Redensarten benutzen, erzählen wir unbewusst ein Stück dieser Geschichte mit. Vielleicht denken Sie ja das nächste Mal, wenn Sie Klappe zu, Affe tot sagen, kurz an den kleinen Affen in seiner Kiste. Es macht die Sprache doch gleich ein bisschen bunter, oder?

Ursprungswelten: Literatur, Handwerk und Alltag im Vergleich

Um die Vielfalt der Herkunft zu verdeutlichen, werden hier drei Redewendungen aus völlig unterschiedlichen Quellen gegenübergestellt.

Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen

Geht auf einen bekannten deutschen Dichter der Aufklärung zurück (citation:6)

Den Überblick verlieren, sich in Details verzetteln

Populär seit dem 18. Jahrhundert (Wieland)

Literatur und Philosophie

Alles in Butter

Beruht auf einem praktischen Verpackungstrick mit flüssiger Butter (citation:1)

Alles ist in bester Ordnung, alles ist gut

Seit dem Mittelalter bekannt

Mittelalterlicher Handel und Transport

Ablage P

Der Buchstabe 'P' steht hier sachlich für den Papierkorb (citation:2)(citation:9)

Eine Sache ist erledigt und kann weggeworfen werden

20./21. Jahrhundert

Moderne Bürokratie und Verwaltung

Während die älteren Redewendungen aus konkreten, oft handfesten Situationen (Transport, Dichtung) erwachsen sind, ist die moderne 'Ablage P' ein Produkt der abstrakten und stark reglementierten Arbeitswelt. Alle drei zeigen aber, wie Sprache alltägliche Kontexte in treffende Bilder verwandelt.
Falls Sie sich für weitere kuriose Sprüche interessieren, erfahren Sie hier, woher kommt der Spruch Ich zeig dir, wo der Frosch die Locken hat?.

Lisas 'Aha'-Erlebnis mit der Sprache

Lisa, eine 15-jährige Schülerin aus München, saß über ihren Deutsch-Hausaufgaben und sollte die Bedeutung von 'den inneren Schweinehund überwinden' erklären. 'Irgendwas mit Sport und Schweinen', war ihre erste, ratlose Idee.

Sie googelte die Redewendung und landete auf einer Seite, die von der Jägersprache und einem besonders störrischen Tier erzählte (citation:1). 'Aha, also nicht nur beim Sport!', dachte sie. Trotzdem fand sie die Erklärung irgendwie abstrakt.

Am Nachmittag wollte sie eigentlich mit Freunden ins Kino, aber für den nächsten Tag stand eine wichtige Mathe-Klausur an. Auf dem Sofa lag verlockend ihr Handy. Lisa seufzte, schob es weg und klappte das Mathebuch auf. In diesem Moment wurde ihr klar: 'Ach, DAS ist also mein innerer Schweinehund, den ich gerade besiege!'

Die abstrakte Erklärung wurde plötzlich lebendig. Lisa schrieb ihre Hausaufgabe mit einem neuen Verständnis. Sie hatte nicht nur die Definition gelernt, sondern am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, diesen inneren Widerstand zu überwinden. Manchmal braucht es eben den Alltag, um eine uralte Redewendung wirklich zu verstehen.

Schnelle Fragen & Antworten

Was ist der Unterschied zwischen einem Sprichwort und einer Redewendung?

Ein Sprichwort ist ein ganzer, in sich geschlossener Satz, der eine Lebensweisheit oder eine allgemeingültige Erfahrung ausdrückt, wie 'Morgenstund hat Gold im Mund'. Eine Redewendung hingegen ist ein fester Bestandteil eines Satzes und kann nicht allein stehen, z.B. 'jemandem einen Bären aufbinden'.

Warum gibt es zu manchen Redewendungen so viele unterschiedliche Erklärungen?

Sprachwissenschaftler können die genaue Herkunft oft nicht mit letzter Sicherheit bestimmen, da die mündliche Überlieferung Jahrhunderte zurückreicht (citation:8). Viele Redewendungen sind einfach 'organisch' aus dem Volk entstanden. Es gibt dann oft verschiedene Theorien, die mal mehr, mal weniger plausibel sind.

Entstehen auch heute noch neue Redewendungen?

Auf jeden Fall! Sprache lebt und verändert sich ständig. Neue Technologien oder gesellschaftliche Phänomene bringen neue Redensarten hervor. Wer hat vor 30 Jahren schon 'etwas auf dem Schirm' gehabt, im Sinne von etwas im Blick haben? Das kam erst mit den Fluglotsen auf (citation:1). Oder Ausdrücke wie 'FOMO' (Angst, etwas zu verpassen) sind ganz neu.

Schnelle Zusammenfassung

Sprache ist ein Geschichtsbuch

Redewendungen bewahren altes Wissen und Bräuche. Sie erzählen von Handwerkstechniken ('anzetteln'), Handelsbräuchen ('alles in Butter') oder historischen Ereignissen ('08/15').

Die Herkunft ist oft nicht eindeutig

Viele Redewendungen haben mehrere mögliche Ursprünge. Das macht ihre Erforschung so spannend, führt aber auch zu widersprüchlichen Erklärungen im Internet.

Antike und Fremdsprachen beeinflussen uns

Redewendungen wie 'aus allen Wolken fallen' oder 'etwas aus dem Effeff können' zeigen, wie stark unser Denken und Sprechen von anderen Kulturen und alten Sprachen geprägt ist (citation:1).

Unsere Alltagssprache ist bildhaft

Wir benutzen ständig Metaphern, ohne darüber nachzudenken. Jedes Mal, wenn wir vom 'inneren Schweinehund' sprechen, malen wir ein Bild, das jeder sofort versteht.