Woher kommt die Redensart blau sein?

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Die Redensart blau sein beruht auf zwei Haupttheorien. Die körperliche Deutung bezieht sich auf das Blaulaufen der Haut bei starkem Alkoholkonsum. Die zweite Theorie führt den Begriff auf das jiddische Wort bila-ha zurück, was so viel wie bei ihr oder in ihr bedeutet. Diese Redewendung beschreibt heute einen betrunkenen Zustand. Der Ursprung ist vom Färberhandwerk abzugrenzen, da das Blau-Färben von Stoffen eine andere historische Bedeutung besitzt.
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Blau sein: Körperliche vs. jiddische Herkunft

Die Frage, woher kommt die redensart blau sein, beschäftigt sich mit der Herkunft einer bekannten Bezeichnung für einen Rauschzustand. Das Verständnis der unterschiedlichen Etymologien hilft dabei, die Sprachentwicklung besser einzuordnen. Es ist interessant, diese historischen Hintergründe zu erforschen, um den korrekten Gebrauch dieses Begriffs im heutigen Sprachgebrauch sicherzustellen.

Woher kommt die Redensart blau sein?

Die Herkunft der Redewendung blau sein für den Zustand der Trunkenheit lässt sich nicht auf eine einzige Quelle zurückführen, sondern ist das Ergebnis verschiedener sprachlicher und körperlicher Assoziationen. Es gibt dabei zwei Haupttheorien: Eine bezieht sich auf körperliche Ausfallerscheinungen bei Alkoholkonsum, während die andere einen etymologischen Ursprung im Jiddischen sieht.

Oft wird fälschlicherweise angenommen, der Begriff stamme direkt aus der Färberei, doch Sprachforscher neigen heute eher zur Theorie des körperlichen Schwindels oder der jiddischen Entlehnung. Interessanterweise zeigt die Sprachgeschichte, dass sich solche Redensarten oft über Jahrzehnte festigen, bis ihr eigentlicher Ursprung im Alltag fast vergessen ist.

Die körperliche Theorie: Wenn alles verschwimmt

Einer der am weitesten verbreiteten Ansätze besagt, dass sich die Redensart von der subjektiven Wahrnehmung Betrunkener ableitet. Wer zu viel Alkohol konsumiert, leidet oft unter Schwindelgefühlen und Sehstörungen. In der älteren Literatur finden sich häufig Beschreibungen, nach denen Betrunkenen blau vor den Augen wurde - ein Zustand, der dem Gefühl kurz vor einer Ohnmacht ähnelt.

Dabei spielt die Farbe Blau als Metapher für das Unklare, Nebelhafte oder sogar das Nichts eine zentrale Rolle. Wenn die Orientierung verloren geht, verschwimmt die Welt in einem diffusen, bläulichen Schleier. In meiner Zeit als Student habe ich oft über diesen linguistischen Zusammenhang gegrübelt, besonders wenn ich sah, wie Menschen nach einer langen Nacht kaum noch die Straßenseite fokussieren konnten. Es ist faszinierend, wie präzise unsere Vorfahren körperliche Missstände in Farben übersetzt haben.

Jiddische Wurzeln: Von 'Bila-ha' zu 'Blau'

Ein sehr fundierter sprachwissenschaftlicher Erklärungsversuch führt uns ins Jiddische. Dort existiert der Begriff jiddisch bila-ha bedeutung, was so viel wie im Nichts sein oder verwirrt sein bedeutet. Über die Jahrhunderte wurde dieses Wort im deutschen Sprachgebrauch verballhornt - also klanglich an ein bereits existierendes deutsches Wort angepasst. Aus bila-ha wurde schlicht blau.

Dieses Phänomen der Lautverschiebung ist in der deutschen Etymologie keine Seltenheit. Viele Begriffe des Rotwelsch oder des Jiddischen fanden so ihren Weg in die Alltagssprache, wobei die ursprüngliche Bedeutung oft leicht verschoben wurde. Wer also heute sagt, er sei blau, benutzt eigentlich einen jahrhundertealten Code für den Verlust der geistigen Präsenz. Aber Vorsicht: Es gibt eine Verwechslungsgefahr, die viele in die Irre führt - ich spreche von dem berüchtigten Blauen Montag.

Vorsicht Verwechslungsgefahr: Blau sein vs. blau machen

Hier passiert der häufigste Fehler in der Etymologie-Diskussion. Während blau sein auf Trunkenheit hindeutet, hat blau machen (schwänzen oder freinehmen) einen völlig anderen Hintergrund. Letzteres stammt tatsächlich aus dem Färberhandwerk des Mittelalters, insbesondere der Arbeit mit der Waidpflanze oder Indigo.

Die Färber mussten die Stoffe nach dem Färbebad an der Luft trocknen lassen. Durch die Oxidation mit dem Sauerstoff verfärbte sich der Stoff erst dann blau. Während dieses Prozesses konnten die Handwerker nicht weiterarbeiten - sie machten also sprichwörtlich blau. Da dieser Vorgang oft am Montag stattfand, entstand der Begriff des Blauen Montags. Wer also glaubt, das Trinken käme vom Färben, mischt hier zwei völlig unterschiedliche historische Stränge. Ich dachte früher auch, das hinge zusammen, bis ich mich durch alte Handwerkschroniken wühlte und feststellte, wie redewendung blau sein ursprung färber und unterschied blau sein und blau machen strikt getrennt waren.

Wenn dich interessiert, warum wir Redewendungen verwenden, erfahre mehr darüber: Warum sagt man Man macht blau?

Theorien zum Ursprung im Vergleich

Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle, warum wir gerade 'blau' als Synonym für betrunken verwenden. Hier sind die gängigsten Ansätze gegenübergestellt:

Körperliche Wahrnehmung

  • Alkohol erzeugt Schwindel und Sehstörungen, die als blauer Schleier wahrgenommen werden
  • Direkter Bezug zu den biologischen Auswirkungen von Ethanol auf das Gehirn
  • Redensart 'blau vor den Augen werden' bereits in alten Schriften dokumentiert

⭐ Jiddische Etymologie (Favorit der Forschung)

  • Ableitung von 'bila-ha' (im Nichts sein) durch lautliche Anpassung
  • Erklärt den Begriffswandel ohne die Notwendigkeit einer visuellen Täuschung
  • Häufige Aufnahme jiddischer Begriffe in die deutsche Umgangssprache des 18. Jahrhunderts

Färber-Mythos (Oft falsch zugeordnet)

  • Färber tranken Alkohol, um die Urin-Gärung für den Färbeprozess zu beschleunigen
  • Zusammenhang ist eher anekdotisch und wissenschaftlich kaum haltbar
  • Gering; gilt eher als volksetymologische Erklärung für 'blau machen'
Während der Färber-Mythos die unterhaltsamste Geschichte bietet, halten Sprachwissenschaftler die jiddische Herkunft für am wahrscheinlichsten. Die körperliche Theorie bleibt jedoch als ergänzende psychologische Komponente relevant.

Lukas und die Legende der betrunkenen Färber

Lukas, ein Geschichtsstudent aus Heidelberg, wollte bei einem Stammtisch mit seinem Wissen über das Mittelalter glänzen. Er erzählte lautstark, dass 'blau sein' daher käme, dass Färber früher ihren eigenen Urin mit Alkohol anreicherten, um Wolle blau zu färben.

Sein Professor, der zufällig am Nachbartisch saß, unterbrach ihn jedoch trocken. Er wies Lukas darauf hin, dass es kaum historische Beweise dafür gebe, dass Färber deshalb öfter betrunken waren als andere Handwerker - die Theorie sei eher eine nette Geschichte als harte Fakten.

Lukas war zunächst frustriert, da er diese 'Färber-Story' in fast jedem Reiseführer gelesen hatte. Er fing an, in der Universitätsbibliothek nach Primärquellen zu suchen und stellte fest, dass die jiddische Ableitung von 'bila-ha' sprachwissenschaftlich viel solider untermauert ist.

Am nächsten Stammtisch korrigierte er sich selbst: 'Leute, die Färber-Sache ist ein Mythos.' Er erklärte seinen Freunden den jiddischen Ursprung und lernte, dass populäre Erklärungen oft falsch sind, was sein Interesse an echter Etymologie nur noch mehr anspornte.

Allgemeine Fragen

Hat 'blau sein' etwas mit blauem Blut zu tun?

Nein, 'blaues Blut' bezieht sich auf den Adel, der blasse Haut hatte, durch die die Venen bläulich schimmerten. 'Blau sein' bezieht sich hingegen rein auf den Rauschzustand und hat keine soziale Komponente.

War man im Mittelalter wirklich öfter blau?

Aufgrund der schlechten Wasserqualität tranken Menschen damals tatsächlich oft Dünnbier als Hydrierungsmittel. Der Zustand des 'Blauseins' wurde damals jedoch oft eher als religiöse Verfehlung oder moralische Schwäche denn als bloße Farbwahrnehmung beschrieben.

Wann wurde die Redensart zum ersten Mal schriftlich erwähnt?

Erste Belege für die Verbindung zwischen der Farbe Blau und Trunkenheit tauchen verstärkt im 18. und 19. Jahrhundert auf, oft in literarischen Texten, die den Kontrollverlust der Sinne beschreiben.

Wichtige Hinweise

Sprachliche Verwechslung vermeiden

Trennen Sie strikt zwischen 'blau machen' (Färberhandwerk) und 'blau sein' (Jiddisch oder körperlicher Schwindel).

Jiddischer Einfluss

Der Begriff 'bila-ha' (Nichts) ist die wahrscheinlichste Wurzel und zeigt, wie vielschichtig unsere Sprache durch kulturellen Austausch geworden ist.

Farbe als Metapher

Blau steht in diesem Kontext für das Verschwommene und den Verlust der Realität, ähnlich wie wir heute noch 'benebelt' sagen.