Woher kommt der Spruch wo der Barthel den Most holt?

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Der sprichwortliche Ausdruck woher kommt der spruch wo der barthel den most holt bezeichnet eine humorvolle Drohung für eine harte Bestrafung oder eine Reise an einen unwirtlichen Ort. Die Herkunft der Redewendung geht auf historische Wurzeln zurück, die entweder mit einem Raubritter namens Barthel oder sprachlichen Ableitungen aus dem Jiddischen in Verbindung stehen.
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Woher kommt der Spruch: Bedeutung und Herkunft

Die Redewendung wirft Fragen über ihre Herkunft und Bedeutung auf. Es lohnt sich, die faszinierenden historischen Hintergründe und Theorien dieses bekannten deutschen Sprichworts zu entdecken, um zu verstehen, woher kommt der spruch wo der barthel den most holt.

Die Bedeutung hinter dem Barthel-Spruch entschlüsselt

Wer genau weiß, wo der Barthel den Most holt, gilt im alltäglichen Sprachgebrauch als überaus gewitzt, geschäftstüchtig oder schlau. Die altbekannte Redewendung wird meistens dann verwendet, wenn jemand zeigen möchte, wo es langgeht, oder wenn eine Person alle Kniffe und geheimen Quellen einer Sache in- und auswendig kennt. Die Frage nach dem eigentlichen Ursprung offenbart jedoch ein faszinierendes sprachliches Rätsel.

Diese Redensart kann von Fall zu Fall ganz unterschiedliche historische Interpretationen zulassen, da eine eindeutige wissenschaftliche Klärung in den überlieferten Quellen bis heute fehlt. Die genaue Herleitung bleibt historisch gesehen im Dunkeln. Das hält Sprachwissenschaftler jedoch nicht davon ab, packende Fährten zu verfolgen.

Als ich vor Jahren das erste Mal tiefer in die deutsche Etymologie eintauchte, dachte ich törichterweise, es handle sich um eine einfache Bauernregel über einen Winzer namens Bartholomäus. Ein Trugschluss. Die Realität hinter unseren Redensarten ist oft viel vielschichtiger. Wer tiefer gräbt, stößt unweigerlich auf das Rotwelsche - die alte Geheimsprache fahrender Handwerker und Vagabunden.

Rotwelsch und Jiddisch: Ein Werkzeug bricht den Code

Die wohl populärste wissenschaftliche Theorie besagt, dass die Formulierung woher kommt der spruch wo der barthel den most holt auf eine volksetymologische Umdeutung jiddischer Begriffe zurückgeht. Demnach verbirgt sich hinter dem Namen Barthel das jiddische Wort Barzel, welches übersetzt für das Eisen oder eine Brechstange steht. Der vermeintlich süße Most hat in diesem Kontext ebenfalls rein gar nichts mit einem herbstlichen Fruchtsaft zu tun.

Das Wort Most leitet sich bei dieser These vom jiddischen Begriff Maos beziehungsweise dem hebräischen Wort Maoth ab, was schlichtweg Geld oder Münzen bedeutet. Aus der kriminellen Gaunersprache übersetzt bedeutete der Satz ursprünglich also nichts anderes, als ganz genau zu wissen, wie man sich mit einer Brechstange Zugang zu fremdem Geld verschafft. Ein gelungener Coup ohne langes Zögern.

Einen Haken hat die Sache allerdings. In echten historischen Wörterbüchern des Rotwelschen hieß das Stemmeisen meist ganz anders, nämlich Schaberbartle. Ob die Gauner das Wort einfach verhüllend verkürzten? Gut möglich. Letztlich zeigt uns diese Herleitung, dass hinter harmlos klingenden Alltagsfloskeln handfeste Ganovengeschichten stecken können.

Bartholomäustag und alternative Legenden aus der Region

Neben der Gaunersprache existiert eine zweite große Deutungslinie, die sich am christlichen Heiligenkalender orientiert. Der Gedenktag des Heiligen Bartholomäus fällt traditionell auf den 24. August. Zu diesem frühen Zeitpunkt im Spätsommer hat die eigentliche Hauptlese der Weintrauben in den deutschen Anbaugebieten aber noch gar nicht begonnen, weshalb es eigentlich unmöglich ist, frischen Most zu pressen.

Wer es dennoch schafft, bereits am Bartholomäustag den ersten Most herbeizuschaffen, muss folglich über extrem gute Weinberglagen verfügen oder ein gewiefter Taktiker sein. Im schwäbischen Raum existiert dazu eine passende, humorvolle Antwort auf die Frage nach dem Most-Verbleib: Der Barthel holt ihn beim Michel - also zum darauffolgenden Gedenktag des Heiligen Michael am 29. September, wenn der Traubensaft endlich reif ist.

Und dann sind da noch die regionalen Sagen. In Meißen erzählt man sich die Geschichte vom Weinschenk Bartholomäus Zimmer aus dem 16. Jahrhundert, der für seine erlesenen Tropfen berühmt war. In Heilbronn wiederum soll um 1230 ein Schultheiß namens Barthel illegal köstlichen Rebensaft aus dem städtischen Ratskeller stibitzt haben. Jede Region verteidigt stolz ihren eigenen Barthel.

Die drei bekanntesten Ursprungstheorien im direkten Vergleich

Da der exakte historische Beleg fehlt, konkurrieren heute vor allem drei Erklärungsansätze um die Deutungshoheit des Barthel-Spruchs.

Die Gaunersprache (Rotwelsch) ⭐

• Wer weiß, wo der Barthel den Most holt, weiß Einbrüche zu verüben

• Barzel steht für das Eisen oder Stemmeisen, Maoth bedeutet Geld

• Die Worte wurden aus dem Jiddischen und Hebräischen verfremdet

Der Heiligenkalender (Bartholomäustag)

• Wer im August schon Most hat, trickst die Natur geschickt aus

• Bezieht sich auf den Apostel Bartholomäus und dessen Ehrentag am 24. August

• Die Redensart beruht auf einem zeitlichen Widerspruch im Weinbau

Die sächsisch-schwäbischen Sagen

• Die Personen kannten schlicht die besten, geheimen Bezugsquellen

• Bezieht sich auf gewiefte Gastwirte oder Beamte namens Bartholomäus

• Reale historische Personen dienten als namensgebende Vorbilder

Die Theorie aus dem Rotwelschen gilt unter modernen Sprachforschern als die plausibelste Variante, da sie die im Spruch mitschwingende Gerissenheit perfekt erklärt. Dennoch haben auch die weinkulturellen Herleitungen über den Bartholomäustag einen logischen Charme, der die weite Verbreitung im süddeutschen Raum begründet.

Sprachliche Verwirrung im Deutschunterricht

Gymnasiallehrer Thomas wollte seiner zehnten Klasse in Stuttgart historische Redewendungen näherbringen. Er wählte den Barthel-Spruch aus, stieß jedoch auf völliges Desinteresse und verständnislose Gesichter bei den Jugendlichen.

Sein erster Versuch bestand darin, die Schüler eine seitenlange etymologische Abhandlung lesen zu lassen. Das Resultat war verheerend - die Klasse schaltete komplett ab und zwei Schüler schliefen fast ein.

Thomas begriff, dass trockene Theorie hier scheitern musste. Am nächsten Tag änderte er seine Taktik grundlegend und inszenierte die Stunde spontan als detektivisches Rollenspiel rund um die jiddische Gaunersprache.

Plötzlich fingen die Schüler Feuer, diskutierten wild über die Brechstange und knackten den Code der Redewendung innerhalb von 20 Minuten mit sichtlicher Begeisterung.

Möchten Sie noch mehr über sprachliche Geheimnisse erfahren? Dann lesen Sie auch: Woher kommt die Redewendung?

Fragen zum gleichen Thema

Was bedeutet es, wenn mir jemand zeigt, wo der Barthel den Most holt?

Das ist meist eine humorvolle, aber bestimmte Drohung oder Zurechtweisung. Derjenige möchte Ihnen unmissverständlich klarmachen, wer hier das Sagen hat, wer über mehr Erfahrung verfügt oder wie eine Aufgabe richtig angepackt wird.

Ist Barthel ein echter Vorname?

Ja, Barthel ist eine im mitteldeutschen und süddeutschen Raum gebräuchliche Kurzform des biblischen Vornamens Bartholomäus. In der Redewendung fungiert der Name jedoch höchstwahrscheinlich als lautliche Tarnung für ein jiddisches Wort.

Gibt es einen jiddischen Ursprung für das Wort Most?

Sprachwissenschaftler vermuten eine Verbindung zum hebräischen Begriff Maoth, der über das Jiddische als Moos in die deutsche Gaunersprache gelangte. Daraus entwickelte sich im Volksmund durch ähnlichen Klang das Wort Most.

Gesamtüberblick

Bedeutung im Alltag

Die Redewendung beschreibt eine Person, die extrem gerissen ist, Bescheid weiß und alle praktischen Kniffe einer bestimmten Situation beherrscht.

Der rotwelsche Favorit

Die etymologisch wahrscheinlichste Spur führt zur Gaunersprache, in der aus einer jiddischen Brechstange und hebräischem Geld ein Winzerspruch wurde.

Keine eindeutigen Beweise

Es gibt in den historischen Dokumenten bis heute keine finale wissenschaftliche Gewissheit über das genaue Alter und den echten Schöpfer dieser Redensart.