Warum heißt es blau, wenn man betrunken ist?
Warum heißt es blau wenn man betrunken ist? Mittelalter-Tradition
Man fragt sich oft: Warum heißt es blau wenn man betrunken ist? Das geht auf mittelalterliche Färber zurück. Sie nutzten vergorenen, alkoholhaltigen Urin, um Stoffe mit Indigo zu färben. Dazu tranken sie reichlich Bier, waren dauerhaft angetrunken und erhielten so den Spitznamen blau. Die Redewendung hat also nichts mit der Farbe des Gesichts zu tun, sondern mit einem kuriosen Handwerk.
Warum wir blau sind: Der faszinierende Ursprung einer Redewendung
Wer heute zu tief ins Glas geschaut hat, ist am Ende des Abends meistens blau. Doch warum sagt man blau wenn man getrunken hat? Die Antwort darauf hat wenig mit der Optik eines Betrunkenen zu tun, sondern führt uns direkt in die stinkenden Färberwerkstätten des Mittelalters. Es geht um Urin, chemische Reaktionen und einen sehr speziellen Arbeitsprozess.
Ehrlich gesagt - als ich das erste Mal von der Verbindung zwischen Bierkonsum und Textilfärberei hörte, hielt ich es für einen Scherz. Doch die Geschichte rund um die Herkunft blau sein betrunken ist so skurril wie logisch. Der Begriff blau sein ist eng mit der Gewinnung von Indigo aus der Färberwaid-Pflanze verknüpft, einem Handwerk, das besonders in Thüringen im 13. bis 16. Jahrhundert für enormen Reichtum sorgte.
Die Theorie der Färber: Alkohol als chemischer Beschleuniger
Im Mittelalter war Blau eine der schwierigsten Farben in der Herstellung. Man nutzte die Blätter des Färberwaids, die in großen Bottichen vergären mussten. Das Problem: Der Farbstoff Indigo ist nicht wasserlöslich. Um ihn dennoch auf den Stoff zu bringen, benötigten die Färber ein Reduktionsmittel - und hier kam menschlicher Urin ins Spiel.
Damit die chemische Reaktion optimal ablief, war ein hoher Alkoholgehalt im Urin von Vorteil. Die Färber tranken daher massenhaft Bier, um anschließend gemeinsam in die Bottiche zu urinieren. Es klingt absurd, war aber gelebte Praxis und stützt die Färber Theorie blau sein. Die Männer waren also während der Arbeit buchstäblich dauerhaft betrunken - sie waren blau.
Der Prozess der Oxidation: Wenn Gelb zu Blau wird
Heraus kam der Stoff aus dem Bottich übrigens zunächst gar nicht blau, sondern gelblich-grün. Erst wenn die Tücher an der Luft zum Trocknen aufgehängt wurden, geschah das Wunder: Durch den Kontakt mit Sauerstoff oxidierte der Farbstoff und verwandelte sich in das tiefe, begehrte Blau. Während dieser Wartezeit konnten die Färber nichts tun.
Hier schließt sich der Kreis zu einer weiteren bekannten Redewendung: dem blaumachen. Wenn wir uns den Unterschied blau sein und blau machen ansehen, hängen diese thematisch eng zusammen: Da die Stoffe stundenlang an der Luft hängen mussten und die Färber meist noch ihren Rausch ausschliefen, hatten sie unfreiwillig frei. Blau machen bedeutete ursprünglich also einfach, darauf zu warten, dass der Stoff blau wurde. Ein genialer Vorwand für einen freien Tag.
Sprachliche Wurzeln: Jenseits der Färberbottiche
Obwohl die Färber-Theorie die populärste ist, gibt es unter Sprachwissenschaftlern auch andere Erklärungsansätze auf die Frage: Warum heißt es blau wenn man betrunken ist? Einige vermuten den Ursprung im Jiddischen. Das Wort belo bedeutet so viel wie ohne oder nichts. Wer also im Nichts ist, ist geistig abwesend oder eben betrunken. Diese Theorie ist zwar weniger bildhaft, aber sprachwissenschaftlich oft besser belegt.
Eine andere Spur führt zum Schwindelgefühl. Wenn man betrunken ist, verschwimmt die Sicht. Früher sagte man oft: Es wird mir blau vor Augen - ähnlich wie wir heute schwarz vor Augen sagen. Der blaue Schleier der Trunkenheit könnte also ebenfalls namensgebend gewesen sein. Aber mal ehrlich? Die Geschichte mit dem betrunkenen Färber-Urin ist doch viel unterhaltsamer.
Alkoholkonsum heute: Ein Blick auf die Zahlen
Auch wenn wir heute keine Stoffe mehr mit alkoholhaltigem Urin färben, ist der Alkoholkonsum in Deutschland weiterhin ein präsentes Thema. Aktuelle Daten zeigen, dass der Pro-Kopf-Verbrauch von reinem Alkohol bei etwa 10,6 Litern pro Jahr liegt. Das entspricht im europäischen Vergleich dem oberen Mittelfeld. Besonders Bier bleibt mit durchschnittlich fast 92 Litern pro Person das Lieblingsgetränk der Deutschen.
Doch der Rausch hat auch Schattenseiten. Etwa 2,2 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren gelten in Deutschland als alkoholabhängig. Ein Risiko, das oft unterschätzt wird - denn was früher als skurrile Handwerkstradition galt, führt heute jährlich zu tausenden gesundheitlichen Notfällen. Blau sein ist eben nicht immer nur eine amüsante Anekdote aus dem Mittelalter. [2]
Blau sein vs. Blaumachen: Die feinen Unterschiede
Obwohl beide Begriffe eine gemeinsame historische Wurzel in der Färberei haben könnten, werden sie heute völlig unterschiedlich verwendet.Blau sein
• Zustand der Färber nach dem Bierkonsum für die Urin-Gewinnung
• Zustand der akuten Trunkenheit oder Alkoholisierung
• Beschreibt eine körperliche Verfassung
Blaumachen
• Wartezeit der Färber während der Oxidation des Stoffes
• Unentschuldigtes Fernbleiben von der Arbeit oder Schule
• Beschreibt ein Verhalten oder eine Handlung
Interessanterweise bedingte das eine früher oft das andere. Wer blau war (betrunken), konnte am nächsten Tag oft nur blaumachen (nichts tun), während der Stoff an der Luft trocknete.Hermann und das Geheimnis der Waid-Färber
Hermann, ein 45-jähriger Geschichtslehrer aus Erfurt, besuchte ein traditionelles Waid-Fest. Er wollte seinen Schülern erklären, warum man blau sagt, wenn man betrunken ist, war sich aber bei den chemischen Details unsicher.
Er versuchte zuerst, es nur über die Farbe der Adern zu erklären. Doch die Zuhörer wirkten gelangweilt und die Erklärung fühlte sich unvollständig an. Der Funke sprang einfach nicht über.
An einem Stand für historisches Handwerk roch er plötzlich den beißenden Geruch von gärendem Waid. Er erinnerte sich an die Berichte über die Urin-Küpen und die betrunkenen Gesellen, die so den Farbstoff lösten.
Hermann erzählte daraufhin die Geschichte vom Urin-Bier-Gemisch. Die Schüler waren fasziniert und angewidert zugleich - das Wissen blieb hängen. Sein Fazit: Manchmal ist die eklige Wahrheit die beste Eselsbrücke.
Nächste Schritte
Handwerkliche WurzelnDie Redewendung stammt höchstwahrscheinlich aus dem Färberwesen, wo Alkohol im Urin als chemisches Hilfsmittel genutzt wurde.
Kulturelle PrägungBlau war im Mittelalter eine Prestige-Farbe, weshalb die damit verbundenen Begriffe tief in den Alltagswortschatz einsickerten.
Sprachliche VielfaltNeben der Färber-Theorie gibt es auch jiddische Ursprünge (be-lo), was zeigt, wie vielschichtig unsere Sprache ist.
In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei über 10 Litern reinem Alkohol jährlich, was den Begriff blau sein leider immer noch sehr aktuell macht.
Schnelle Zusammenfassung
Warum ist Indigo so wichtig für die Redewendung?
Indigo oder Waid war der einzige Weg, Stoffe dauerhaft blau zu färben. Da das Verfahren sehr aufwendig war und chemische Tricks wie die Urin-Gärung erforderte, prägte dieses spezielle Handwerk unsere Sprache stärker als andere Berufe.
Gibt es einen Zusammenhang zum blauen Blut?
Nein, das ist ein völlig anderer Ursprung. Blaues Blut bezieht sich auf den Adel, der so blass war, dass die bläulichen Adern durch die Haut schimmerten - im Gegensatz zu den sonnengebräunten Bauern.
Warum hieß der Montag früher blauer Montag?
Das war oft der Tag, an dem die Stoffe zum Trocknen hingen. Da die Färber nicht weiterarbeiten konnten, hatten sie frei. Später wurde dies zum allgemeinen Begriff für einen arbeitsfreien Tag der Handwerker.
Quellenangabe
- [2] Dhs - Im Jahr 2024 hatten 2,2 Mio. Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren eine Alkoholabhängigkeit.
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