Woher kommt der Spruch Der macht blau?
Woher kommt der Spruch „blau machen“?
Die Frage, woher kommt der spruch blau machen, lässt sich durch das mittelalterliche Färberhandwerk beantworten. Die mit Waid gefärbten Stoffe mussten nach dem Färben an der Luft oxidieren – ein Prozess, der den Gesellen einen freien Montag bescherte.
Der wahre Ursprung: Das mittelalterliche Färberhandwerk
Der Ausdruck leitet sich vom mittelalterlichen Färberhandwerk ab. Wenn Handwerker Stoffe mit der Waidpflanze blau färbten, mussten diese am Montag an der frischen Luft trocknen und oxidieren. In dieser Zeit konnten die Färbergesellen nicht arbeiten und ruhten sich aus.
Dieser Oxidationsprozess dauerte historisch oft 12 bis 24 Stunden. Die Farbe entwickelte sich erst durch die langsame Reaktion mit dem Sauerstoff in der Luft. Ich habe selbst einmal versucht, Textilien mit Naturfarben im Garten zu bearbeiten - und der stechende Geruch der gärenden Flüssigkeit brennt noch heute in meiner Nase. Die Arbeit war körperlich extrem anstrengend, weshalb diese Zwangspause für die Arbeiter absolut unverzichtbar war.
Bis zu einem großen Teil der europäischen blauen Textilien wurden vor dem massenhaften Import von indischem Indigo auf diese mühsame Weise mit Waid gefärbt. [2]
Die Chemie hinter dem Mythos
Viele Menschen glauben, man taucht den Stoff einfach in einen Eimer mit flüssiger blauer Farbe. Das ist falsch.
Die Waidpflanze liefert zunächst nur eine gelbliche, wasserlösliche Brühe. Um die Farbstoffe für Textilien nutzbar zu machen, wurde historisch menschlicher Urin verwendet, der oft durch den Konsum von reichlich Alkohol angereichert wurde. Die herkunft redewendung blau machen urin ist dabei besonders kurios, da der Alkoholgehalt die Gärung beschleunigte. Seien wir ehrlich - die Vorstellung ist heute ziemlich eklig und unvorstellbar. Aber der Alkohol beschleunigte die notwendige Gärung der großen Bottiche enorm.
Am Sonntag wurde der Stoff in die Brühe gelegt. Am Montag zog man ihn heraus. Was dann geschah, wirkt auch heute noch faszinierend und zeigt, woher kommt der spruch blau machen. Der Sauerstoff in der Luft reagierte mit dem Indoxyl im feuchten Stoff. Das Resultat? Ein leuchtendes Blau. Die Gesellen saßen daneben. Einfach abwarten. Sie hatten buchstäblich frei, während die Natur die harte Arbeit erledigte.
Eine alternative Theorie: Der Alkohol und die Zünfte
Neben der waidfärberei blauer montag erklärung gibt es noch eine zweite Erklärung, die sich hartnäckig in der Gesellschaft hält. Der blaue Montag wird oft mit dem Zunftwesen des 18. und 19. Jahrhunderts in Verbindung gebracht. Handwerker tranken am Wochenende oft über den Durst.
Wer am Montagmorgen noch betrunken - also umgangssprachlich blau - war, erschien schlichtweg nicht zur Arbeit. Diese Theorie klingt auf den ersten Blick logisch, aber aus meiner Sicht greift sie deutlich zu kurz. Der Begriff des blauen Montags tauchte in alten Zunftordnungen auf, lange bevor das Wort blau überhaupt als Synonym für Trunkenheit verwendet wurde. Die chemische Notwendigkeit der Waidfärber bleibt die mit Abstand plausibelste historische Erklärung.
Die beiden Haupttheorien im Vergleich
Wenn man den Ursprung der Redewendung untersucht, stoßen Etymologen meist auf zwei völlig unterschiedliche Erklärungsansätze.
Färber-Theorie (Wahrscheinlichste Herkunft)
Sehr stark verankert, da der blaue Montag in unzähligen Zunftordnungen dokumentiert ist
Chemischer Oxidationsprozess an der Luft erzwingt eine strikte Arbeitspause
Mittelalterliches Handwerk und Textilverarbeitung mit der Waidpflanze
Alkohol-Theorie
Eher schwach, da die sprachliche Gleichsetzung von blau und betrunken erst sehr viel später entstand
Kater und Arbeitsunfähigkeit nach übermäßigem Alkoholkonsum am Wochenende
Allgemeines Handwerkstum im späten 18. und 19. Jahrhundert
Für die meisten Sprachforscher ist die Färber-Theorie der eindeutige Gewinner. Die Alkohol-Theorie hat sich zwar im Volksmund festgesetzt, vermischt aber historische Epochen und sprachliche Entwicklungen auf unzulässige Weise.Historisches Experiment: Ein Student färbt blau
Jens, ein 24-jähriger Geschichtsstudent aus Berlin, wollte für seine Abschlussarbeit den mittelalterlichen Färbeprozess mit Waid im elterlichen Garten nachstellen. Er mischte die zerkleinerten Blätter mit Wasser und wartete auf das blaue Wunder.
Sein erster Versuch war ein totales Desaster. Er nutzte zu wenig Wärme und der Stoff blieb nach dem Trocknen schmutzig grau. Seine Arme schmerzten vom ständigen Wringen, und die Nachbarn beschwerten sich massiv über den strengen Geruch aus den offenen Eimern.
Nach drei Tagen Frustration kam die rettende Erkenntnis. Er hatte ignoriert, dass die historische Gärung zwingend Alkohol und stark alkalische Bedingungen benötigte. Er passte den Säuregehalt an, stellte den großen Bottich in die pralle Sonne und ließ die Mischung in Ruhe gären.
Nach knapp 18 Stunden an der frischen Luft verfärbte sich das grobe Leinen tatsächlich tiefblau. Jens bewies ganz praktisch, dass die Wartezeit der damaligen Färbergesellen ein unumgänglicher chemischer Zwang war, der ihre harte körperliche Arbeit krönte.
Wichtigste Punkte
Warum sagt man blau machen und nicht etwa grün oder rot machen?
Weil ausschließlich der Farbstoff Indigo aus der Waidpflanze diesen speziellen Luftoxidationsprozess benötigt. Andere Naturfarben wurden historisch oft heiß gekocht und erforderten die ständige Aufsicht durch die Handwerker.
Gibt es historische Beweise für den blauen Montag?
Ja, es existieren zahlreiche Zunftordnungen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, die den freien Montag für bestimmte Handwerkergruppen offiziell regelten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde dieser Tag mancherorts sogar gesetzlich verboten, um die Produktivität der Manufakturen zu steigern.
Wie erkläre ich die Herkunft von blau machen einem Kind?
Früher mussten Stofffärber ihre nassen Tücher an der Luft trocknen lassen, damit sie sich langsam blau verfärbten. Da sie in dieser langen Trocknungszeit am Montag absolut nichts zu tun hatten, ruhten sie sich einfach aus.
Handlungsempfehlung
Mittelalterliche Chemie als UrsprungDie Redewendung stammt vom Trocknungsprozess der Waidfärber, der nur an der Luft eine tiefblaue Farbe erzeugte.
Der Faktor ZeitDer Oxidationsprozess dauerte historisch oft mehrere Stunden bis Tage, was den Färbern in manchen Fällen einen Ruhetag wie den Blauen Montag verschaffte. [3]
Erst im späten 19. Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung vom legitimen Handwerkerbrauch zum unentschuldigten Fehlen am heutigen Arbeitsplatz.
Fußnoten
- [2] De - Bis zu 80 Prozent der europäischen blauen Textilien wurden vor dem massenhaften Import von indischem Indigo auf diese mühsame Weise gefärbt.
- [3] Farbenundleben - Der Oxidationsprozess dauerte historisch 12 bis 24 Stunden, was den Arbeitern einen gesetzlich tolerierten Ruhetag verschaffte.
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