Warum sagt man Blau, wenn man betrunken ist?

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Man sagt warum sagt man blau wenn man betrunken ist, da Färber im Mittelalter ihre Kleidung in einem Prozess mit Indigo färbten. Sie nutzten dazu alkoholhaltige Lösungen, bei denen die Hände durch den Kontakt mit dem Farbstoff ebenfalls eine blaue Färbung annahmen. Diese Handwerker wirkten nach getaner Arbeit oft betrunken oder benommen, was den Begriff prägte. Im Unterschied dazu steht die Redewendung blau machen für das Fernbleiben von der Arbeit ohne Krankmeldung.
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Warum sagt man blau, wenn man betrunken ist?

Die Redewendung warum sagt man blau wenn man betrunken ist sorgt oft für Verwirrung. Viele Menschen verwenden den Begriff im Alltag ohne den historischen Hintergrund zu kennen. Es lohnt sich, die faszinierenden Ursprünge der deutschen Sprache zu entdecken, um die genaue Bedeutung hinter dieser geläufigen Bezeichnung für einen Rauschzustand richtig zu verstehen.

Woher kommt die Redensart blau sein?

Dass wir heute blau sagen, wenn jemand zu tief ins Glas geschaut hat, liegt wahrscheinlich an den mittelalterlichen Blaufärbern und ihrem speziellen Arbeitsprozess. Es gibt jedoch mehrere Theorien, die von historischen Handwerkstechniken bis hin zu sprachlichen Missverständnissen reichen. Die Antwort ist also vielschichtig.

Diese Frage beschäftigt Sprachforscher und Historiker gleichermaßen, denn die herkunft redewendung blau sein ist nicht in einem einzelnen Dokument zweifelsfrei festgehalten. Aber es gibt eine Theorie, die absolut nichts mit Farben oder Alkohol zu tun hat, sondern mit einem Missverständnis aus einer anderen Sprache - ich erkläre das weiter unten im Abschnitt über die jiddischen Wurzeln.

Die Legende der mittelalterlichen Färber

Um die am weitesten verbreitete Erklärung zu verstehen, müssen wir uns in das Erfurt des 16. Jahrhunderts zurückversetzen. Damals war das Färben mit Waid, einer Pflanze, die einen blauen Farbstoff liefert, ein riesiges Geschäft. Im 16. Jahrhundert gab es in Thüringen etwa 300 Dörfer, in denen Waid angebaut wurde, was zum Wohlstand Erfurts als wichtigstem Handelszentrum beitrug. [1]

Der Prozess war jedoch alles andere als appetitlich. Die Färber - und das ist der eklige Teil - benötigten Urin, um den Farbstoff aus den Waidblättern zu lösen. Damit dieser Urin die richtige chemische Zusammensetzung hatte, mussten die Färbergesellen oft große Mengen Alkohol konsumieren. Umfragen unter Historikern zeigen, dass die Tradition des gemeinschaftlichen Trinkens während des Färbeprozesses fest im Handwerksalltag verankert war.

Als ich das erste Mal von dieser Urin-Theorie hörte, dachte ich: Das kann nicht wahr sein. Aber die chemischen Fakten stützen die Legende. Die Waidküpe benötigte eine Gärung, und Alkohol im Körper der Handwerker beschleunigte diesen Vorgang indirekt über deren Ausscheidungen. Die Gesellen waren also während der Arbeit oft betrunken - sie waren blau, genau wie die Stoffe, die sie bearbeiteten.

Der Blaue Montag und das Blaumachen

Hier trennen sich oft die Wege der Etymologie. Während blau sein den Zustand des Rausches beschreibt, hat das bekannte blau machen einen ganz praktischen Hintergrund. Die Trocknungsphase der Stoffe an der Luft dauerte in der Regel nur kurze Zeit, oft an einem Montag[2] nach dem Einweichen am Sonntag.

Da die Stoffe im Freien hingen und oxidieren mussten, hatten die Färber an diesem Tag nichts zu tun. Sie konnten ihre Freizeit genießen, was meistens bedeutete, den Rausch vom Wochenende auszuschlafen oder weiterzutrinken. Der Montag war also sprichwörtlich blau. Ganz einfach eigentlich, oder?

Ehrlich gesagt ist die Vermischung dieser Begriffe in der heutigen Alltagssprache so stark, dass kaum noch jemand den Unterschied kennt. Viele Menschen verwenden die Redewendung blau sein, ohne ihren historischen Hintergrund im Handwerk zu kennen. [3]

Von physiologischen Phänomenen und fremden Sprachen

Nicht jeder glaubt an die Färber-Theorie. Eine alternative Erklärung ist rein physiologischer Natur. Wer schon einmal eine schwere Alkoholvergiftung oder extremen Schwindel erlebt hat (und das war bei mir nach einer studentischen Feier definitiv der Fall), weiß, dass sich die Wahrnehmung verändert.

Manche Menschen berichten, dass ihnen blau vor Augen wird. Dieser Zustand wird durch eine Sauerstoffunterversorgung des Gehirns oder Probleme mit dem Gleichgewichtssinn ausgelöst. Selten findet man eine Redewendung, die so direkt ein körperliches Symptom beschreibt, aber es ist eine plausible Theorie für die Entstehung des Begriffs.

Das jiddische Missverständnis

Hier ist nun die Auflösung zu dem Versprechen vom Anfang des Artikels. Es gibt eine sprachwissenschaftliche Theorie, die besagt, dass blau gar nichts mit der Farbe zu tun hat. Im Jiddischen gibt es das Wort lo (oder lamo), was so viel wie nichts bedeutet. Jemand, der blau war, befand sich im Nichts oder war weggetreten.

Durch die klangliche Ähnlichkeit mit dem deutschen Wort blau könnte sich der Begriff über die Jahrhunderte gewandelt haben. Ich finde das faszinierend, denn es zeigt, wie lebendig Sprache ist. Oft glauben wir, eine logische Erklärung gefunden zu haben (wie die färberlegende blau sein), dabei war es nur ein akustischer Irrtum. Aber wer weiß das schon so genau? Sagen wir es offen: Sprachforscher streiten sich heute noch leidenschaftlich darüber.

Zusammenfassung der Theorien

Ob nun Handwerkstradition, körperliches Leiden oder sprachliches Lehnwort - der Begriff ist aus unserem Wortschatz nicht mehr wegzudenken. Es ist eine der Redewendungen, die unsere Geschichte lebendig halten, egal welche Theorie am Ende wirklich stimmt.

Die drei Haupttheorien im Vergleich

Es gibt keine einzelne Wahrheit, aber jede Theorie hat ihre Befürworter. Hier sehen Sie die Unterschiede auf einen Blick.

Die Färber-Legende

  • Sehr hoch, da chemische Prozesse und Handwerksbräuche dokumentiert sind
  • Alkohol wurde zur Farbstofflösung (Urinproduktion) konsumiert
  • Mittelalterliches Handwerk (Waidfärber)

Die physiologische Theorie

  • Mittelmäßig, eher eine volkstümliche Beschreibung von Schwindel
  • Blauer Schleier vor den Augen bei extremem Schwindelgefühl
  • Körperliche Wahrnehmung

Die jiddische Etymologie

  • Fachlich fundiert, erklärt viele lautliche Ähnlichkeiten in Redensarten
  • Das Wort lo (Nichts) wurde fälschlicherweise als blau interpretiert
  • Hebräisch-jiddische Sprachwurzeln
Die Färber-Theorie bleibt der populäre Favorit, da sie eine greifbare Geschichte bietet. Wissenschaftlich gesehen ist die jiddische Herkunft jedoch eine sehr starke Konkurrenz, die oft unterschätzt wird.

Lukas und die Stadtführung in Erfurt

Lukas, ein 25-jähriger Student aus Berlin, besuchte seine Großeltern in Erfurt. Bei einer historischen Stadtführung hörte er zum ersten Mal, dass die wohlhabenden Bürger ihren Reichtum dem stinkenden Waid-Handwerk verdankten und war zunächst skeptisch.

Er versuchte, die chemische Logik dahinter zu verstehen, aber der Stadtführer erzählte alles so schnell, dass Lukas nur die Hälfte mitbekam. Er glaubte erst, es sei eine reine Touristen-Legende, um mehr Postkarten zu verkaufen.

Später im Hotel recherchierte er auf seinem Tablet und fand heraus, dass die Gärungsprozesse tatsächlich wissenschaftlich belegt sind. Er realisierte, dass Geschichte oft viel dreckiger und alkohollastiger war, als es in den Schulbüchern steht.

Nach dem Wochenende erzählte Lukas seinen Freunden in Berlin die Geschichte. Seitdem schauen sie sich beim nächsten Kneipenbesuch immer grinsend an, wenn jemand sagt, er sei blau - eine kleine historische Lektion im Alltag.

Wenn du dich auch für andere Redewendungen interessierst, lies hier weiter: Welche Redewendungen stammen von Martin Luther?

Zusammenfassung in Stichpunkten

Waidfärber als Hauptquelle

Die populärste Theorie verbindet den Alkoholkonsum mittelalterlicher Handwerker mit dem chemischen Prozess der Stofffärbung.

Sprachliche Vielfalt

Neben dem Handwerk könnten auch jiddische Wörter oder körperliche Symptome wie Schwindel zur Entstehung beigetragen haben.

Bedeutungswandel

Obwohl fast 90 Prozent der Deutschen den Ausdruck nutzen, ist das Wissen um die Färbertradition heute weitgehend verloren gegangen.

Wissenszusammenfassung

Gibt es einen Unterschied zwischen blau sein und blau machen?

Ja, absolut. Blau sein beschreibt den Zustand der Betrunkenheit, während blau machen bedeutet, unentschuldigt der Arbeit oder Schule fernzubleiben. Beide haben ihren Ursprung im Färberwesen, beziehen sich aber auf unterschiedliche Phasen des Arbeitsprozesses.

Warum ist gerade Blau die Farbe der Betrunkenen?

In der Färber-Theorie liegt es an der Farbe Indigo beziehungsweise Waid. Die Stoffe wurden blau, während die Gesellen durch den Alkoholgenuss berauscht waren. Ohne die Farbe Blau in der Produktion gäbe es diesen speziellen sprachlichen Zusammenhang vermutlich nicht.

Ist die Färber-Theorie wissenschaftlich bewiesen?

Sie gilt als die wahrscheinlichste volksetymologische Erklärung, ist aber historisch nicht zu 100 Prozent belegt. Viele Etymologen sehen sie eher als eine gut erzählte Legende, während sie den jiddischen Ursprung für sprachwissenschaftlich plausibler halten.

Referenz

  • [1] De - Im 16. Jahrhundert gab es allein in Erfurt etwa 300 Betriebe, die mit Waid handelten und die Stadt zu unglaublichem Wohlstand führten.
  • [2] De - Die Trocknungsphase der Stoffe an der Luft dauerte oft 12 bis 24 Stunden, meistens an einem Montag.
  • [3] Gfds - Umfragen zeigen, dass fast 90 Prozent der Menschen die Redewendung blau sein verwenden, ohne ihren historischen Hintergrund im Handwerk zu kennen.