Wohin fließt das Regenwasser, das auf den Boden fällt?

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Sobald Regenwasser auf den Boden trifft, hängt der Weg von der Oberfläche ab. Wohin das Regenwasser fließt, lässt sich durch drei Abflusswege definieren: Versickerung auf Wiesen oder Waldböden, Verdunstung oder Ableitung über die Kanalisation. In natürlichen Umgebungen versickern 80-90% des Wassers direkt, während dieser Anteil in Städten auf unter 10% sinkt. Die Kanalisation nimmt das restliche Wasser auf und schützt Gebäude vor Überflutungen, während die natürliche Versickerung das Grundwasser speist.
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Wohin fließt das Regenwasser: Versickerung vs Kanal

Wohin fließt das Regenwasser? Regenwasser nimmt beim Auftreffen auf den Untergrund unterschiedliche Wege. Das Verständnis dieser Prozesse hilft dabei, den Wasserkreislauf und die Bedeutung der Bodenbeschaffenheit in natürlichen Umgebungen sowie im urbanen Raum besser einzuschätzen. Informieren Sie sich über die Hintergründe dieser Abläufe, um die wichtige Rolle der natürlichen Filterung für unser Trinkwasser nachzuvollziehen.

Wohin fließt das Regenwasser nach dem Aufprall?

Sobald Regenwasser auf den Boden trifft, beginnt eine Reise, die von der Beschaffenheit der Oberfläche abhängt. Es kann entweder im Boden versickern, direkt verdunsten oder über die Kanalisation abgeleitet werden. In einer natürlichen Umgebung wie einem Wald versickern fast 80-90% des Wassers direkt vor Ort, während in dicht bebauten Städten dieser Anteil oft auf unter 10% fällt. [1]

Viele Menschen gehen davon aus, dass Regenwasser einfach verschwindet. Tatsächlich wird sein Weg durch Faktoren wie Bodenart, Gefälle, Versiegelungsgrad und Wetterbedingungen bestimmt. Diese Faktoren beeinflussen, ob Wasser versickert, verdunstet oder oberflächlich abfließt und erklären, was passiert mit Regenwasser das auf den Boden fällt.

Der natürliche Weg: Versickerung und Grundwasser

Auf unversiegelten Flächen wie Wiesen oder Waldböden nimmt der Boden das Wasser wie ein Schwamm auf. Dieser Prozess wird Versickerung genannt. Das Wasser wandert durch verschiedene Erd- und Gesteinsschichten, die wie ein natürlicher Filter wirken und Schadstoffe zurückhalten. Am Ende dieser Reise erreicht es das Grundwasser. In Deutschland stammt rund 70% des Trinkwassers aus Grund- und Quellvorkommen,[2] was zeigt, wie wichtig diese natürliche Filterung ist. So entsteht der Regenwasser Grundwasser Kreislauf einfach erklärt.

Wie gut Regenwasser versickert, hängt stark von der Bodenbeschaffenheit ab. Sandige Böden lassen Wasser meist schnell durchsickern, während lehmige oder verdichtete Böden deutlich weniger durchlässig sind. Deshalb sollte die Eignung des Bodens vor dem Anlegen von Versickerungsanlagen geprüft werden. Hier zeigt sich auch, wie versickert Regenwasser im Boden.

Der urbane Weg: Kanalisation und Kläranlagen

In Städten trifft Regenwasser meist auf Asphalt, Beton oder Dächer. Da diese Flächen versiegelt sind, kann das Wasser nicht im Boden versickern. Es wird über Gullis in die Kanalisation geleitet. Hierbei unterscheiden wir zwei Systeme: Mischkanalisation: Regen- und Schmutzwasser fließen zusammen in die Kläranlage. Bei extremem Starkregen kann dies zu Überlastungen führen. Trennkanalisation: Regenwasser wird separat abgeleitet und oft direkt in Bäche oder Flüsse geleitet, während Abwasser zur Kläranlage fließt. Das beschreibt, wohin fließt das Regenwasser in der Stadt.

Wussten Sie, dass die Gesamtlänge des öffentlichen Kanalnetzes in Deutschland etwa 600.000 Kilometer beträgt? [3] Das reicht aus, um die Erde 15-mal zu umrunden. Ohne dieses gigantische unterirdische Labyrinth würden unsere Keller bei jedem Gewitter unter Wasser stehen.

Schwammstadt: Das Konzept der Zukunft

Hier ist der kritische Faktor, den ich anfangs erwähnt habe: Die totale Versiegelung ist eine Sackgasse für unser Klima. Moderne Stadtplanung setzt daher auf die sogenannte Schwammstadt (Sponge City). Ziel ist es, das Wasser nicht so schnell wie möglich abzuleiten, sondern es lokal zu speichern. Durch Gründächer, entsiegelte Parkplätze und unterirdische Speicher (Zisternen) wird das Wasser zurückgehalten. Dies kühlt die Stadt durch Verdunstung und entlastet die Kanalisation bei Starkregen erheblich. [4] Damit wird deutlich, wohin fließt das Regenwasser und warum lokales Wassermanagement wichtig ist.

Mehrere deutsche Städte erproben bereits Maßnahmen nach dem Schwammstadt-Prinzip. Begrünte Flächen und zusätzliche Wasserspeicher können dazu beitragen, die sommerliche Hitzebelastung zu reduzieren und Regenwasser länger vor Ort zu halten.

Versickerung vs. Abfluss: Ein Vergleich

Je nachdem, wo der Tropfen landet, verändert sich sein Schicksal dramatisch. Hier ist der direkte Vergleich zwischen natürlichen und versiegelten Oberflächen.

Natürlicher Boden (Wald/Wiese)

- Minimal, da der Boden als natürlicher Puffer fungiert

- Maximale Unterstützung des lokalen Wasserkreislaufs

- Sehr hoch, etwa 80-90% des Niederschlags dringen in den Boden ein

Versiegelte Fläche (Asphalt/Beton)

- Heizt sich stark auf (Hitzeinsel-Effekt), keine Kühlung durch Verdunstung

- Extrem hoch, kann bei Starkregen zu Systemausfällen führen

- Gegen Null, fast 100% des Wassers fließt oberflächlich ab

Unversiegelte Flächen fördern die Versickerung, unterstützen die Grundwasserneubildung und reduzieren Oberflächenabfluss. Versiegelte Flächen hingegen leiten Regenwasser schneller ab und erhöhen die Belastung von Entwässerungssystemen, insbesondere bei Starkregen.
Möchten Sie mehr erfahren? Lesen Sie auch: Wie gelangt Regenwasser ins Grundwasser?

Hùng und die Herausforderung der Hofeinfahrt

Hùng, ein Hausbesitzer in einem Vorort von München, wollte seine Hofeinfahrt neu pflastern. Er dachte an klassischen Beton, da dieser günstig und pflegeleicht schien, merkte aber bald, dass er für die versiegelte Fläche zusätzliche Abwassergebühren zahlen müsste.

Er versuchte zuerst, das Gefälle so zu legen, dass das Wasser einfach auf die Straße läuft. Das gab sofort Ärger mit dem Bauamt - Wasser von Privatgrundstücken darf nicht einfach die öffentliche Entwässerung fluten.

Die Lösung kam beim Gespräch mit einem Landschaftsgärtner: Sickerpflaster. Hùng war skeptisch, ob das stabil genug für sein Auto sei. Doch die Erkenntnis, dass die Fugen das Wasser direkt vor Ort aufnehmen, überzeugte ihn.

Nach dem Umbau kann ein größerer Teil des Niederschlags direkt auf dem Grundstück versickern. Dadurch wird die Kanalisation entlastet, und je nach kommunaler Regelung können sich auch die Niederschlagsgebühren reduzieren.

Abschließender Tipp

Entsiegelung schont den Geldbeutel

Wer Flächen entsiegelt, reduziert seine gesplittete Abwassergebühr oft um bis zu 100%.

Boden als Filter nutzen

Eine 30 cm dicke Bodenschicht filtert über 90% der typischen Schadstoffe aus dem Regenwasser heraus.

Schwammstadt-Prinzip fördern

Jedes Gründach und jede Zisterne hilft, urbane Hitzeinseln zu reduzieren und das lokale Mikroklima zu verbessern.

Andere Perspektiven

Was passiert mit dem Regenwasser, wenn der Boden gesättigt ist?

Wenn der Boden kein Wasser mehr aufnehmen kann, entsteht Oberflächenabfluss. Das Wasser fließt dann oberflächlich zum niedrigsten Punkt, meist in Bäche oder die Kanalisation. Bei langanhaltendem Regen ist dies die Hauptursache für Hochwasser.

Warum ist Regenwasser für die Kanalisation ein Problem?

In Mischsystemen verdünnt der Regen das Abwasser so stark, dass die Bakterien in der Kläranlage weniger effizient arbeiten. Zudem müssen bei Starkregen enorme Wassermengen in kurzer Zeit bewältigt werden, was die Kapazitäten sprengen kann.

Darf ich Regenwasser im Garten einfach versickern lassen?

Grundsätzlich ja, sofern das Wasser nicht verunreinigt ist und die Versickerung keine Nachbargrundstücke schädigt. In vielen Kommunen ist dies sogar ausdrücklich erwünscht, um die Kanalisation zu entlasten.

Kreuzreferenzquellen

  • [1] Umweltbundesamt - In einer natürlichen Umgebung wie einem Wald versickern fast 80-90% des Wassers direkt vor Ort, während in dicht bebauten Städten dieser Anteil oft auf unter 10% fällt.
  • [2] Umweltbundesamt - In Deutschland stammt rund 70% des Trinkwassers aus Grund- und Quellvorkommen.
  • [3] Destatis - Wussten Sie, dass die Gesamtlänge des öffentlichen Kanalnetzes in Deutschland etwa 600.000 Kilometer beträgt?
  • [4] Umweltbundesamt - Dies kühlt die Stadt durch Verdunstung und entlastet die Kanalisation bei Starkregen um bis zu 50%.