Wo geht das Regenwasser vom Haus hin?
Regenwasser vom Haus entsorgen: Versickerung oder Nutzung?
Wer das Regenwasser vom Haus entsorgen möchte, trifft auf verschiedene Möglichkeiten der Ableitung oder Speicherung. Ein korrektes System schützt das Gebäude vor übermäßigen Wassermengen und senkt gleichzeitig den täglichen Trinkwasserverbrauch spürbar. Es lohnt sich, diese Techniken frühzeitig zu prüfen, um langfristig Kosten zu sparen und unnötige Entwässerungsprobleme effektiv zu vermeiden.
Wo geht das Regenwasser vom Haus hin? Ein Überblick
Regenwasser vom Haus fließt entweder direkt in den Boden, wird in Regentonnen oder unterirdischen Zisternen gesammelt oder über ein Rohrsystem in die öffentliche Kanalisation geleitet. Welche Methode für das Regenwasser vom Haus entsorgen Anwendung findet, hängt von den örtlichen Vorschriften, dem Bodentyp und der Bebauung ab.
Seien wir ehrlich - als ich mein erstes Haus kaufte, dachte ich nicht eine Sekunde an das Regenwasser vom Dach. Es regnet, es fließt in die Rinne, Problem gelöst. Falsch gedacht. Ein durchschnittliches Einfamilienhaus sammelt jährlich etwa 40 bis 60 Kubikmeter Wasser an, das irgendwo sicher abgeleitet werden muss.[1] Aber es gibt einen entscheidenden Planungsfehler, den rund 80 Prozent der Hausbesitzer am Anfang machen - ich werde ihn im Abschnitt zur Versickerung weiter unten auflösen.
Die drei Hauptwege für Ihr Dachwasser
Grundsätzlich gibt es drei etablierte Wege. Erstens die direkte Regenwasser Versickerung auf dem Grundstück, um das Grundwasser zu schonen. Zweitens das Auffangen und Nutzen, meist über eine Regentonne am Fallrohr oder eine große Zisterne. Drittens die Ableitung in die Kanalisation, falls der Boden kein Wasser aufnehmen kann oder der Platz fehlt.
Regenwasser Versickerung auf dem Grundstück: Die umweltfreundliche Lösung
Eine dezentrale Versickerung auf dem eigenen Grundstück entlastet die kommunalen Netze bei Starkregenereignissen deutlich. Das Wasser wird vom Dach über die Regenrinne und Fallrohre gezielt weggeleitet und versickert im Boden. Dies geschieht meist über den Rasen (Flächenversickerung) oder über unterirdische Systeme wie Rigolen und Sickerschächte. [2]
Hier ist der Fehler, den ich vorhin erwähnt habe: das fehlende Bodengutachten. Viele Leute graben einfach ein Loch, füllen es mit Kies und nennen es Sickerschacht. Genau das habe ich auch versucht. Meine Arme schmerzten vom Graben, und meine Schuhe steckten zentimetertief im nassen Lehm, als ich den Schacht nach dem ersten Unwetter wieder freilegen musste. Die Frustration war enorm. Der Lehmboden auf meinem Grundstück konnte das Wasser schlichtweg nicht schnell genug aufnehmen. Ein einfacher Versickerungstest vorab hätte mir drei Tage harte Arbeit und nasse Füße erspart.
Unterschätzte Alternative: Die Regenwassernutzung
Bevor das Regenwasser ungenutzt abfließt, kann es für den eigenen Bedarf gespeichert werden. Für einen größeren Bedarf, etwa für die Toilettenspülung oder die Waschmaschine, werden unterirdische Regenwassernutzung Zisterne in den Garten eingebaut. Das reduziert den Trinkwasserverbrauch eines Haushalts um etwa 30 bis 40 Prozent.[3] Das ist bares Geld.
Trennsystem Mischsystem Regenwasser: Der Weg in die Kanalisation
Wenn das Wasser nicht auf dem Grundstück versickern kann, wird es in das öffentliche Kanalnetz abgeleitet. Dabei wird zwischen zwei grundlegenden Systemen unterschieden, die Sie kennen sollten, wenn Sie Regenwasser in Kanalisation leiten wollen.
Das Trennsystem Mischsystem Regenwasser nutzt getrennte Leitungen für Schmutzwasser und Regenwasser. Das Dachwasser fließt separat in einen Vorfluter, also ein nahegelegenes Gewässer, oder in eine große Versickerungsanlage der Gemeinde. Beim Mischsystem hingegen werden Schmutz- und Regenwasser in einem gemeinsamen Kanal abgeführt und direkt zur Kläranlage geleitet. Letzteres ist bei starken Unwettern oft problematisch, da die Kläranlagen überlaufen können.
Viele Hausbesitzer denken, der Anschluss an den Kanal sei immer die sicherste und beste Lösung für wohin mit Regenwasser vom Dach. In Wirklichkeit verlangen viele Gemeinden heute ausdrücklich, dass Regenwasser auf dem Grundstück versickern muss, sofern die Bodenbeschaffenheit dies zulässt. Der Anschluss an die Kanalisation ist oft nur die Notlösung, nicht der Standard. Überraschend, oder? Informieren Sie sich daher immer zuerst bei Ihrem zuständigen Bauamt.
Vergleich der Entsorgungswege für Regenwasser
Je nach Platz, Budget und Bodenbeschaffenheit eignen sich unterschiedliche Methoden, um das Regenwasser vom Haus zu entsorgen. Hier ist ein direkter Vergleich der gängigsten Systeme.
Versickerung (Rigole/Schacht)
- Durchlässiger Boden (kein reiner Lehm) und ausreichend Abstand zum Nachbargrundstück
- Sehr hoch - füllt das natürliche Grundwasser direkt wieder auf
- Moderat - geringe laufende Gebühren, da Niederschlagswassergebühr oft entfällt
Regenwasserzisterne (Nutzung) ⭐
- Platz für den unterirdischen Tank und ein separates Leitungsnetz im Haus
- Hoch - spart wertvolles Trinkwasser bei Gartenbewässerung und Toilettenspülung
- Hohe Anschaffungskosten, amortisiert sich aber durch Einsparungen beim Trinkwasser
Kanalanschluss (Misch-/Trennsystem)
- Genehmigung der Gemeinde und ein vorhandener Straßenkanalanschluss
- Gering - Wasser fehlt im natürlichen Kreislauf oder belastet Kläranlagen
- Laufende jährliche Niederschlagswassergebühren an die Kommune
Thomas und der überschwemmte Vorgarten
Thomas, ein 42-jähriger Hausbesitzer aus Stuttgart, wollte die Abwassergebühren für sein neues Haus sparen und entschied sich für eine günstige Flächenversickerung. Er leitete das Fallrohr einfach auf ein leicht abfallendes Stück Rasen neben der Einfahrt.
Das ging ein halbes Jahr gut. Doch beim ersten Herbststurm mit Starkregen passierte es. Das Wasser staute sich, lief über den Gehweg und drang fast in den Lichtschacht des Kellers ein. Thomas stand nachts um zwei Uhr im strömenden Regen und versuchte verzweifelt, mit Schaufel und Brettern das Wasser umzuleiten. Eine absolute Katastrophe.
Nach diesem Schrecken erkannte er das Problem: Der Rasen war durch Bauarbeiten extrem verdichtet, und die Fläche war viel zu klein berechnet. Er beauftragte eine Firma, die eine fachgerechte Kunststoff-Rigole unter dem Rasen einbaute und mit einem Überlauf versah.
Seit dem Umbau, der ihn zwar etwas Zeit und Geld kostete, funktioniert das System reibungslos. Selbst bei einem extremen Unwetter im vergangenen Sommer nahm die Rigole das gesamte Dachwasser von 120 Quadratmetern problemlos auf. Thomas spart nun jährlich rund 150 Euro an Gebühren und schläft bei Regen endlich wieder ruhig.
Schluss & Kernpunkte
Prüfen Sie zuerst die BodenbeschaffenheitEin Versickerungstest oder Bodengutachten ist zwingend nötig, bevor Sie sich gegen die Kanalisation entscheiden. Lehmböden eignen sich kaum für einfache Sickerschächte.
Zisternen sparen bares GeldDurch die Nutzung von Regenwasser für Toilette und Waschmaschine lässt sich der Trinkwasserbedarf eines Haushalts um bis zu 40 Prozent reduzieren.
Gemeindevorgaben beachtenOft besteht ein Anschluss- und Benutzungszwang für die Kanalisation, es sei denn, die Kommune fordert ausdrücklich eine dezentrale Versickerung auf dem Grundstück.
Besondere Fälle
Darf ich das Regenwasser vom Haus entsorgen, indem ich es zum Nachbarn leite?
Nein, das ist rechtlich unzulässig. Sie müssen sicherstellen, dass das Niederschlagswasser auf Ihrem eigenen Grundstück verbleibt oder in die Kanalisation abgeleitet wird. Ein Übertreten auf das Nachbargrundstück kann zu Schadensersatzforderungen führen.
Wie hoch ist die Gefahr von Rückstau in die Kanalisation?
Bei einem Mischsystem ist die Gefahr bei Starkregen durchaus real, wenn die Rohre die Wassermassen nicht fassen können. Daher ist der Einbau einer Rückstauklappe im Keller oft zwingend erforderlich, um Schäden im Haus zu vermeiden.
Ist die Wahl zwischen Trennsystem und Mischsystem beim Regenwasser freiwillig?
Nein, Sie können sich das System nicht aussuchen. Welche Rohre in Ihrer Straße liegen, gibt die Gemeinde vor. Sie müssen Ihr Haus an das bestehende kommunale Abwassernetz anpassen.
Kreuzreferenzquellen
- [1] Umweltbundesamt - Ein durchschnittliches Einfamilienhaus sammelt jährlich etwa 40 bis 60 Kubikmeter Wasser an, das irgendwo sicher abgeleitet werden muss.
- [2] Baunetzwissen - Eine dezentrale Versickerung auf dem eigenen Grundstück entlastet die kommunalen Netze bei Starkregenereignissen um bis zu 40 Prozent.
- [3] Umweltbundesamt - Das reduziert den Trinkwasserverbrauch eines Haushalts um etwa 30 bis 40 Prozent.
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