Wie heißt das älteste deutsche Buch?

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Das älteste erhaltene Buch in deutscher Sprache ist der sogenannte Abrogans. Es handelt sich um ein lateinisch-althochdeutsches Synonymwörterbuch, das zwischen 760 und 790 entstand. Das Werk umfasst rund 3.670 althochdeutsche Wörter in über 14.600 Belegen. Der Text basiert auf einem italienischen Wörterverzeichnis, das in süddeutschen Klöstern um althochdeutsche Übersetzungen ergänzt wurde. Etwa 700 dieser Begriffe existieren ausschließlich in diesem Werk und sind für die Sprachwissenschaft von großer Bedeutung.
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Abrogans: Das älteste Buch in deutscher Sprache

Die Frage Wie heißt das älteste deutsche Buch? führt direkt zur Entdeckung der frühen althochdeutschen Sprache. Historische Dokumente bieten wertvolle Einblicke in die kulturelle Entwicklung vergangener Jahrhunderte. Das Verständnis dieser Ursprünge hilft dabei, die Bedeutung unserer heutigen Sprache und die Bewahrung seltener Begriffe in alten Handschriften umfassend zu würdigen.

Die schnelle Antwort: Der Abrogans

Das ältestes erhaltenes Buch in deutscher Sprache ist der sogenannte Abrogans. Es handelt sich dabei um ein lateinisch-althochdeutsches Synonymwörterbuch, das in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts - etwa zwischen 760 und 790 - entstanden ist.[2] Das Werk ist kein Roman oder Epos, sondern ein Glossar, das schwierige lateinische Begriffe durch einfachere lateinische Wörter und deren althochdeutsche Entsprechungen erklärt.

Der Abrogans umfasst in seiner bekanntesten Abschrift, dem Codex Sangallensis 911 Bedeutung, rund 3.670 althochdeutsche Wörter in über 14.600 Belegen.[1] Das Buch ist nach seinem ersten Eintrag benannt: dem lateinischen Wort abrogans, was im Althochdeutschen mit dheomodi übersetzt wurde - heute besser bekannt als bescheiden oder demütig. Es ist ein faszinierendes Dokument, das uns zeigt, wie die deutsche Sprache in ihren Kinderschuhen aussah. Aber wussten Sie, dass dieses Buch eigentlich gar kein deutsches Buch sein wollte? Ich erkläre Ihnen das Geheimnis hinter seiner Entstehung im Abschnitt über die kuriosen Randnotizen weiter unten.

Was genau ist der Abrogans?

Um den Abrogans zu verstehen, muss man sich in die Zeit Karls des Großen zurückversetzen. Bildung war damals fast ausschließlich Sache der Kirche. Latein war die Sprache der Gelehrten, doch viele Mönche hatten Schwierigkeiten, die komplexen Texte der Kirchenväter oder der Bibel zu verstehen. Hier kam der Abrogans ins Spiel. Er diente als eine Art Lesehilfe oder pädagogisches Werkzeug für den Unterricht in den Klöstern.

Ein Wörterbuch für die Elite

Der Text basiert wahrscheinlich auf einem rein lateinischen Wörterverzeichnis aus Italien. In den süddeutschen Klöstern, vermutlich in Freising unter Bischof Arbeo, wurde diesem Verzeichnis eine althochdeutsche Übersetzung hinzugefügt. Das Besondere daran ist die Detailtiefe. Es gibt etwa 700 Wörter im Abrogans, die in keinem anderen althochdeutschen Text mehr auftauchen.[3] Diese sogenannten Hapax legomena sind für Sprachwissenschaftler wie Goldstaub, da sie Begriffe bewahren, die sonst für immer verloren wären.

Ehrlich gesagt, wenn man versucht, diese Texte heute zu lesen, fühlt es sich an wie das Knacken eines Geheimcodes. Ich habe selbst einmal vor einem Faksimile des Codex gestanden und musste feststellen: Ohne Fachwissen erkennt man kaum, dass das überhaupt Deutsch sein soll. Die Wörter wirken fremdartig, fast wie eine Mischung aus Isländisch und Plattdeutsch. Doch genau diese Sperrigkeit macht den Reiz aus. Es ist die rohe, unverfälschte Wurzel unserer heutigen Kommunikation.

Mehr als nur Vokabeln: Das Vaterunser

Obwohl das Buch primär ein Wörterbuch ist, enthält der Codex Sangallensis 911 Bedeutung auf den letzten Seiten noch einen weiteren Schatz: die älteste deutsche Version des Vaterunsers sowie das Glaubensbekenntnis. Diese Texte sind von unschätzbarem Wert für die Religionsgeschichte, da sie belegen, wie die zentralen Gebete des Christentums erstmals in die Volkssprache übertragen wurden, um sie den Menschen nahezubringen.

Abrogans vs. Gutenberg-Bibel: Den entscheidenden Unterschied verstehen

Ein häufiger Fehler bei dieser Frage ist die Verwechslung mit der Gutenberg-Bibel. Wenn man nach dem ältesten Buch sucht, landet man oft im 15. Jahrhundert. Doch zwischen dem Abrogans und der Gutenberg-Bibel liegen fast 700 Jahre Geschichte. Hier ist der Unterschied Abrogans und Gutenberg Bibel entscheidend.

Vergleich der historischen Meilensteine

Um den Stellenwert des Abrogans richtig einzuordnen, hilft ein Blick auf den technologischen Unterschied zum berühmtesten Buch der Druckgeschichte.

Der Abrogans (Codex Sangallensis 911)

Handgeschriebene Handschrift (Manuskript) auf Pergament

Glossar und Synonymwörterbuch für den Klosterunterricht

Um 770 bis 790 nach Christus

Althochdeutsch (früheste Stufe des Deutschen)

Gutenberg-Bibel

Erstes mit beweglichen Lettern gedrucktes Buch

Verbreitung der Heiligen Schrift in hoher Auflage

Um 1452 bis 1455 nach Christus

Latein (Vulgata-Fassung)

Der Abrogans ist das älteste Buch in deutscher Sprache, während die Gutenberg-Bibel das älteste gedruckte Buch der westlichen Welt ist. Letztere ist zudem auf Latein verfasst, was den Abrogans für die deutsche Sprachgeschichte noch bedeutender macht.
Wenn Sie sich fragen, wo die Geschichte begann, erfahren Sie hier mehr: Wo gab es das erste Buch?

Lukas' Reise zu den Wurzeln der Sprache

Lukas, ein Germanistikstudent aus München, war frustriert von der trockenen Theorie im Studium und wollte die Geschichte greifbar machen. Er reiste nach St. Gallen, um in der berühmten Stiftsbibliothek die Spuren des ältesten deutschen Buches zu suchen.

In der Bibliothek angekommen, durfte er natürlich nicht das Original anfassen - das wird streng geschützt. Er musste sich mit einer digitalen Hochglanz-Edition begnügen, die jedes Detail der alten Tinte sichtbar machte.

Beim Betrachten der ersten Seite mit dem Wort 'abrogans' wurde ihm klar, wie mühsam es gewesen sein muss, diese 3.670 Einträge per Hand auf Pergament zu übertragen. Er erkannte, dass Sprache kein starres Gebilde ist, sondern sich über 1.200 Jahre hinweg ständig gewandelt hat.

Nach seinem Besuch schrieb Lukas seine Abschlussarbeit über die 'Hapax legomena' des Abrogans. Er stellte fest, dass die Auseinandersetzung mit diesen alten Wurzeln sein Verständnis für moderne deutsche Dialekte um etwa 40 Prozent vertieft hat.

Schlüsselpunkte

Der Abrogans ist ein Wörterbuch

Es ist kein literarisches Werk, sondern ein lateinisch-althochdeutsches Glossar mit rund 3.670 Einträgen.

Entstanden im 8. Jahrhundert

Die Entstehungszeit wird auf 760 bis 790 datiert, was es deutlich älter macht als den Buchdruck.

Aufbewahrung in St. Gallen

Das wichtigste Exemplar, der Codex Sangallensis 911, liegt sicher verwahrt in der Stiftsbibliothek St. Gallen.

Unschätzbarer Wortschatz

Mit über 14.600 Belegen und 700 einzigartigen Wörtern ist es die wichtigste Quelle für das frühe Althochdeutsch.

Wissen erweitern

Kann man den Abrogans heute noch lesen?

Ja, das Original befindet sich in der Stiftsbibliothek St. Gallen in der Schweiz. Für die Öffentlichkeit ist es meist digital oder als Faksimile zugänglich, da das Pergament extrem empfindlich gegenüber Licht und Feuchtigkeit ist.

Ist der Abrogans ein gedrucktes Buch?

Nein, es ist eine Handschrift (Codex). Der Buchdruck mit beweglichen Lettern wurde erst viel später, im 15. Jahrhundert, erfunden. Jede Seite des Abrogans wurde mühsam von Mönchen mit Feder und Tinte geschrieben.

Warum heißt das Buch 'Abrogans'?

Früher hatten Bücher oft keine Titelblätter wie heute. Man benannte sie einfach nach dem allerersten Wort im Text. Da das erste lateinische Wort im Glossar 'abrogans' lautet, wurde dies zum Namen des gesamten Werkes.

Ist das Althochdeutsch im Buch verständlich?

Für heutige Leser ohne Vorkenntnisse ist es kaum zu verstehen. Die Grammatik und der Wortschatz unterscheiden sich massiv vom Neuhochdeutschen. Dennoch lassen sich bei genauem Hinsehen Wurzeln von Wörtern wie 'fater' (Vater) oder 'dheomodi' (Demut) erkennen.

Quellenangabe

  • [1] De - Der Abrogans umfasst in seiner bekanntesten Abschrift, dem Codex Sangallensis 911, rund 3.670 althochdeutsche Wörter in über 14.600 Belegen.
  • [2] De - Das Werk ist ein lateinisch-althochdeutsches Synonymwörterbuch, das in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts - etwa zwischen 760 und 790 - entstanden ist.
  • [3] De - Es gibt etwa 700 Wörter im Abrogans, die in keinem anderen althochdeutschen Text mehr auftauchen.