Haben alle Amphibien eine Hautatmung?

0 Aufrufe
Nicht alle Amphibien nutzen diese Methode im gleichen Maße. Die biologische Vielfalt zeigt extreme Ausnahmen unter den Arten. Einige lungenlose Salamander besitzen überhaupt keine Lunge und atmen ausschließlich über die Haut und die Mundschleimhaut. Daher variiert die Ausprägung dieses Merkmals innerhalb der Klasse der Lurche erheblich. Die Frage, ob haben alle amphibien eine hautatmung zutrifft, ist somit biologisch differenziert zu betrachten.
Kommentar 0 Gefällt mir

Haben alle Amphibien eine Hautatmung? Die biologischen Ausnahmen

Die Frage, ob haben alle amphibien eine hautatmung uneingeschränkt zutrifft, beschäftigt viele Naturinteressierte. Diese biologische Eigenschaft unterscheidet sich stark zwischen den einzelnen Arten und Familien. Ein genaueres Verständnis dieser Atmungsprozesse schützt vor Fehlannahmen über die Tierwelt und vertieft das Wissen über die Natur.

Haben alle Amphibien eine Hautatmung? Das biologische Prinzip einfach erklärt

Ja, im Prinzip besitzen haben alle amphibien eine hautatmung beziehungsweise die Fähigkeit dazu, da ihre dünne und feuchte Haut grundsätzlich gasdurchlässig ist. Diese faszinierende biologische Anpassung dient fast allen Arten als unverzichtbare Ergänzung zur Lungen- oder Kiemenatmung. Die physiologische Funktionsweise dieser Atmungsform ist jedoch an strikte Umweltbedingungen geknüpft.

Damit die Hautatmung reibungslos funktioniert, muss die Haut der Tiere permanent feucht gehalten werden. Nur so kann sich der Luftsauerstoff in dem dünnen Flüssigkeitsfilm auf der Epidermis auflösen und per Diffusion in die darunterliegenden Blutgefäße gelangen. Spezielle Schleimdrüsen sorgen dafür, dass genau diese lebenswichtige Schutzschicht aufrechterhalten wird.

Wie atmen Amphibien durch die Haut? Physiologische Mechanismen

Der Gasaustausch über die Haut basiert auf dem physikalischen Prinzip der Diffusion. Sauerstoffmoleküle wandern dabei vom Ort der höheren Konzentration (der Umgebungsluft oder dem Wasser) zum Ort der niedrigeren Konzentration (dem sauerstoffarmen Blut in den Kapillaren). Kohlenstoffdioxid wird auf umgekehrtem Weg abgegeben. Das dichte Kapillarnetz direkt unter der Hautoberfläche sorgt für einen schnellen Weitertransport des Sauerstoffs.

Für die quantitative Verteilung gilt eine grundlegende Regel: Bei moderaten Temperaturen deckt die Hautatmung bei vielen Froschlurch-Arten etwa 30 bis 60 Prozent des gesamten Sauerstoffbedarfs ab. Die Abgabe von Kohlenstoffdioxid erfolgt sogar zu fast 80 bis 90 Prozent über die Hautoberfläche, da dieses Gas wesentlich besser im Gewebewasser löslich ist als Sauerstoff. Ohne diese Zusatzatmung würden die Tiere schlichtweg ersticken.

Es gibt jedoch eine evolutionäre Einschränkung. Im Salzwasser ist diese Atmungsform physiologisch nahezu unmöglich. Der hohe osmotische Druck des Salzwassers würde den Tieren über die extrem durchlässige Haut jegliche Körperfeuchtigkeit entziehen. Aus diesem Grund existieren bis auf ganz wenige Ausnahmen - wie die Krabbenkröte, die kurzzeitig Brackwasser toleriert - keine marinen Amphibien auf unserem Planeten.

Welche Amphibien haben keine Lunge? Extreme Anpassungen der Natur

Die Natur treibt biologische Prinzipien gerne auf die Spitze. Während die meisten Lurche eine Kombination aus Lungenatmung, Hautatmung und Mundhöhlenatmung nutzen, gibt es eine extrem spezialisierte Gruppe: welche amphibien haben keine lunge trifft genau auf diese lungenlosen Salamander zu. Bei diesen Tieren läuft die Atmung zu 100 Prozent über die Haut und die Schleimhäute der Mundhöhle ab - eine funktionale Lunge existiert bei ihnen überhaupt nicht.

Diese lungenlosen Arten machen einen beträchtlichen Teil der weltweiten Salamander-Diversität aus. Über 70 Prozent aller bekannten Salamanderarten gehören zu dieser Familie. Sie leben primär in sehr feuchten Habitaten oder kühlen, sauerstoffreichen Fließgewässern. Da kühles Wasser deutlich mehr gelösten Sauerstoff enthält, reicht die reine Hautoberfläche hier vollkommen aus. Aber es gibt einen Haken. Die Tiere können aufgrund der begrenzten Hautoberfläche nicht unbegrenzt wachsen und bleiben meist relativ klein.

Atmung der Amphibien im Winter: Überleben unter Eis

Eine der häufigsten Unklarheiten betrifft die Überwinterung. Wie schaffen es Frösche, monatelang am kalten Gewässergrund zu überdauern, ohne zum Atmen an die Oberfläche zu kommen? Die Antwort liegt in der temperaturabhängigen Steuerung des Stoffwechsels. Wenn die Wassertemperatur in den Wintermonaten auf etwa 4 Grad Celsius absinkt, fahren Amphibien ihre Vitalfunktionen extrem weit herunter.

In dieser Phase der Kältestarre sinkt der Sauerstoffbedarf der Tiere um schätzungsweise 80 bis 90 Prozent im Vergleich zum Sommer. Da die Lungenatmung inaktiv ist, deckt atmung der amphibien im winter den gesamten verbleibenden Sauerstoffbedarf über die Hautoberfläche ab. Voraussetzung ist lediglich, dass das Gewässer nicht bis zum Grund zufriert und das Wasser genügend gelösten Sauerstoff aufweist. Ein zugefrorener, umgekippter Dorfteich kann daher im Spätwinter schnell zur tödlichen Falle werden.

Atmung im Larvenstadium: Was passiert bei Kaulquappen?

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass die Hautatmung erst nach der Metamorphose einsetzt. Das ist biologisch nicht korrekt. Kaulquappen und andere Amphibienlarven nutzen von Geburt an eine Kombination aus verschiedenen Atmungsorganen. Neben den primären Außen- oder Innenkiemen spielt die dünne Larvenhaut von Anfang an eine entscheidende Rolle beim Gasaustausch.

In den ersten Entwicklungsstadien, wenn die Kiemen noch unvollständig ausgebildet sind, absorbiert die hochempfindliche Haut der Larven bereits erhebliche Mengen an gelöstem Sauerstoff aus dem Wasser. Erst im Zuge der Metamorphose bilden sich die Kiemen zurück, die Lungen reifen heran, und die Haut verändert ihre Struktur, um den Anforderungen des Landlebens gerecht zu werden - die grundlegende Durchlässigkeit für Gase bleibt jedoch lebenslang erhalten.

Atmungsorgane im Vergleich nach Amphibien-Gruppe

Die Gewichtung der verschiedenen Atmungswege unterscheidet sich je nach systematischer Gruppe und Lebensraum erheblich. Die folgende Übersicht zeigt die Verteilung der Atmungsorgane bei adulten Tieren.

Echte Frösche (z.B. Grasfrosch)

• Ergänzend; Gasaustausch erfolgt direkt über die stark durchblutete Schleimhaut der Mundhöhle.

• Aktiv an Land; wird durch rhythmisches Heben und Senken des Mundhöhlenbodens (Lungenventilation) unterstützt.

• Sehr stark ausgeprägt; deckt im Sommer ca. 30-50% des Sauerstoffbedarfs, im Winter während der Kältestarre 100%.

Lungenlose Salamander (Plethodontidae) ⭐

• Sehr wichtig; die Mundhöhlenschleimhaut ist extrem stark vaskularisiert und unterstützt die Hautatmung intensiv.

• Vollständig reduziert; es existieren keinerlei anatomische Lungenstrukturen mehr.

• Exklusiver Hauptatmungsweg; die gesamte Sauerstoffaufnahme (100%) erfolgt über die feuchte Körperoberfläche.

Echte Kröten (z.B. Erdkröte)

• Gering bis moderat; wird primär in Ruhephasen an Land als energiesparende Methode genutzt.

• Dominanter Atmungsweg; Kröten sind an Land stark auf ihre relativ gut strukturierten Lungen angewiesen.

• Moderat ausgeprägt; aufgrund der dickeren, oft warzigen Haut an Land weniger effizient als bei Fröschen.

Während lungenlose Salamander eine extreme evolutionäre Spezialisierung zeigen und komplett auf ihre Haut vertrauen, nutzen die meisten mitteleuropäischen Frosch- und Krötenarten einen flexiblen Mix. Frösche weisen dabei aufgrund ihrer dünneren Haut eine deutlich höhere Kapazität zur Hautatmung auf als die eher landorientierten Kröten.

Beobachtungen am Gartenteich: Das Überwinterungsrisiko der Teichfrösche

Ein Naturbeobachter dokumentierte die Überwinterung von fünf Teichfröschen in einem künstlich angelegten, flachen Gartenteich im Winter. Die Tiere hatten sich im November bei sinkenden Temperaturen tief im Bodenschlamm eingegraben und verharrten dort in absoluter Bewegungslosigkeit.

Mitte Januar fror der Teich aufgrund einer extremen Kältewelle über zwei Wochen hinweg komplett zu. Eine dicke Schneeschicht verhinderte zudem jegliche Photosynthese der verbliebenen Unterwasserpflanzen, wodurch der Sauerstoffgehalt im Wasser rapide sank.

Anstatt in Panik nach oben zu schwimmen - was in der Kältestarre physiologisch unmöglich gewesen wäre -, regulierten die Frösche ihren ohnehin minimalen Stoffwechsel noch weiter herunter. Sie vertrauten rein auf die verbliebene Sauerstoffdiffusion über ihre Hautoberfläche.

Nach der Eisschmelze im März zeigten Messungen, dass alle fünf Frösche überlebt hatten. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie die temporäre 100-prozentige Umstellung auf Hautatmung das Überleben unter extremen Bedingungen sichert, sofern das Wasser eine kritische Mindestmenge an gelöstem Sauerstoff behält.

Kernbotschaft

Universelle Verbreitung

Alle adulten Amphibien besitzen die biologische Fähigkeit zur Hautatmung. Sie dient als permanenter oder phasenweiser Gasaustauschweg.

Feuchtigkeit als Lebensgarantie

Die Effizienz der Hautatmung steht und fällt mit der Feuchtigkeit der Körperoberfläche. Ohne den schützenden Schleimfilm bricht die Sauerstoffaufnahme zusammen.

Überleben im Winter

Während der winterlichen Kältestarre am Gewässergrund schalten viele Froschlurche zu fast 100 Prozent auf die Hautatmung um, da ihr Sauerstoffbedarf drastisch sinkt.

Empfohlene Lektüre

Warum müssen Amphibien ihre Haut immer feucht halten?

Trockene Haut blockiert die Diffusion von Gasen vollständig. Der Sauerstoff aus der Luft oder dem Wasser kann sich nur in einem Flüssigkeitsfilm auflösen, um anschließend durch die Zellmembranen der Haut in die Blutbahnen zu gelangen. Trocknet die Haut aus, erstickt das Tier unweigerlich.

Erfahren Sie mehr dazu in unserem Beitrag zu Welche Tiere haben Hautatmung?.

Können Kaulquappen auch schon durch die Haut atmen?

Ja, Kaulquappen nutzen die Hautatmung von Anfang an sehr intensiv. In den ersten Lebenstagen ist sie sogar der wichtigste Weg des Gasaustauschs, noch bevor die inneren Kiemen vollständig funktionsfähig sind. Die Haut von Larven ist extrem dünn und perfekt für die Sauerstoffaufnahme aus dem Wasser geeignet.

Gibt es Amphibien, die überhaupt keine Lunge besitzen?

Ja, die lungenlosen Salamander bilden eine riesige Familie innerhalb der Schwanzlurche. Sie haben im Laufe der Evolution ihre Lungen komplett zurückgebildet. Diese Tiere atmen ihr gesamtes Leben lang ausschließlich über die äußere Haut sowie über die Schleimhäute ihrer Mundhöhle.