Welcher Baum riecht nach Kotze?
Welcher Baum riecht nach Kotze? Der weibliche Ginkgo
Einige Bäume überraschen im Herbst mit einem äußerst unangenehmen Gestank in Parks und Alleen. Wenn Sie wissen, welcher baum riecht nach kotze, meiden Sie diese Orte rechtzeitig. Das Verständnis dieser natürlichen biologischen Eigenschaft schützt vor bösen Geruchsurberraschungen und hilft bei der richtigen Pflanzenwahl für den eigenen Garten.
Der Sündenbock im herbstlichen Stadtbild: Welcher Baum riecht nach Kotze?
Der Baum, der im Herbst extrem unangenehm nach Kotze oder Erbrochenem riecht, ist der weibliche Ginkgobaum (Ginkgo biloba). Dieser Gestank kann im urbanen Raum zu einer echten Belastungsprobe werden, obwohl der Baum ansonsten als pflegeleichter und robuster Überlebenskünstler geschätzt wird. Ein Blick auf die botanischen Hintergründe zeigt jedoch schnell, dass die Natur hier einer ganz eigenen, uralten Logik folgt.
Der intensive Geruch betrifft keineswegs alle Exemplare dieser Art. Es sind ausschließlich die weiblichen Bäume, deren reife Samenanlagen eine olfaktorische Herausforderung darstellen. Solange die Bäume jung sind, wirken sie völlig unbescholten und lassen ihr Geschlecht äußerlich nicht erkennen. Erst mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife bricht das übelriechende Chaos los.
Die chemische Ursache des intensiven Buttersäure-Gestanks
Der Gestank nach Erbrochenem oder ranziger Butter entsteht nicht durch die Blätter, sondern durch die reifen, mirabellenähnlichen Samenstände der weiblichen Ginkgobäume. Das fleischige Äußere dieser Samen, die sogenannte Sarkotesta, enthält einen hohen Anteil an Buttersäure sowie Capron- und Valeriansäure. Wenn diese Hülle im Spätherbst auf den Boden fällt und von Passanten zertreten wird, werden die Säuren freigesetzt und entfalten ihr volles Aroma.
Ich habe diese Erfahrung selbst machen müssen, als ich an einem milden Novembermorgen ahnungslos durch eine Allee schlenderte. Der klebrige Brei haftete hartnäckig an meinen Schuhsohlen. Nach fünf Minuten im warmen Auto war die Luft unerträglich. Stundenlanges Schrubben war die Folge. Aus chemischer Sicht ist ein baum der nach buttersäure riecht extrem stabil und verflüchtigt sich in geschlossenen Räumen nur sehr langsam, was den nachhaltigen Ekel-Effekt erklärt.
Das evolutionäre Rätsel: Warum stinkt der Ginkgobaum überhaupt?
Was für den modernen Menschen wie ein biologischer Unfall wirkt, war vor Jahrmillionen eine geniale Überlebensstrategie. Der Ginkgo ist ein lebendes Fossil, das bereits vor über 180 Millionen Jahren die Erde besiedelte. Der aasartige Verwesungsgeruch hatte das Ziel, fleisch- und aasfressende Dinosaurier sowie frühe Raubtiere anzulocken. Diese fraßen die fetthaltigen Samenkerne mitsamt der stinkenden Hülle und schieden die unverdaulichen Keimlinge an weit entfernten Orten wieder aus, was die Verbreitung der Art sicherte.
In der heutigen Zeit leitet der strenge Duft zudem die beweglichen Spermazellen der männlichen Pollen aktiv zur Samenanlage der weiblichen Bäume. Ohne diese chemische Navigation wäre die Fortpflanzung des Urzeitbaums gefährdet. Was uns den Atem raubt, ist für den Baum schlicht die Fortführung seiner Jahrmillionen alten Ahnenlinie.
Stadtplanung und das Dilemma mit den Jungbäumen
In vielen deutschen und europäischen Städten wurden in den vergangenen Jahrzehnten unwissentlich weibliche Ginkgos gepflanzt. Das liegt daran, dass Ginkgobäume erst nach etwa 20 bis 30 Jahren ihre Geschlechtsreife erreichen und vorher optisch absolut identisch sind. Baumschulen und Stadtplaner standen in der Vergangenheit vor einem unlösbaren Rätsel, wenn sie Sämlinge zur Begrünung einkauften. Wer herausfinden will, welcher ginkgo baum stinkt, muss oft jahrzehntelang warten.
Inzwischen behilft sich die moderne Forstwirtschaft mit der vegetativen Vermehrung. Es werden gezielt Zweige von nachweislich männlichen Altbäumen auf junge Wurzelstöcke aufgepfropft. Dennoch erleben viele Kommunen heute böse Überraschungen, weil sie damals nicht wussten, welcher ginkgo baum stinkt und welche Exemplare friedlich bleiben. Manche Städte reagieren radikal: In Aachen wurden vor einiger Zeit zehn gesunde, jahrzehntealte weibliche Bäume gefällt und durch geruchsneutrale Kirschbäume ersetzt, weil die Beschwerden der Anwohner überhandnahm.
Männliche vs. Weibliche Ginkgobäume im direkten Vergleich
Obwohl es sich um dieselbe botanische Art handelt, unterscheiden sich männliche und weibliche Ginkgos in ihren Eigenschaften und ihrer Eignung für den urbanen Raum erheblich.Männlicher Ginkgobaum (Empfohlen für Gärten) ⭐
- Ttendiert meist zu einem eher schlanken, straff aufrechten und symmetrischen Wuchs
- Bildet im Frühjahr kleine, kätzchenartige Pollenzapfen an den Kurztrieben
- Absolut geruchsneutral im Herbst, da keine Samenbildung stattfindet
- Sehr gering, lediglich das normale Laub muss im Herbst entfernt werden
Weiblicher Ginkgobaum
- Zeigt im Alter oft eine etwas gedrungenere, ausladendere und breitere Krone
- Bildet unscheinbare grüne Blüten an langen Stielen, die sich zu Samen entwickeln
- Extrem starker Gestank nach Buttersäure und Erbrochenem beim Abfall der Samen
- Sehr hoch, erfordert tägliches Aufkehren der schmierigen, rutschigen Samenmasse
Für den privaten Hausgarten oder als Straßenbaum ist der männliche Ginkgo die einzig sinnvolle Wahl. Die weibliche Variante verursacht über Monate hinweg erhebliche Reinigungsarbeiten und vertreibt durch die klebrige Buttersäure-Schmiere jegliche Gemütlichkeit aus dem Außenbereich.Das stinkende Erwachen an der Zürcher Europaallee
Ein Landschaftsarchitekt plante für die Eröffnung einer edlen Einkaufsmeile in Zürich eine prachtvolle Allee aus 76 Ginkgobäumen. Die Baumschule garantierte damals schriftlich, dass es sich ausschließlich um geruchsneutrale, männliche Exemplare handele.
Die Bäume entwickelten sich über zwölf Jahre prächtig und erfreuten Passanten mit dichtem Grün. Doch im vergangen Herbst passierte das Unvorstellbare: Plötzlich fielen unzählige gelbe Stinkbomben direkt vor einem viel frequentierten Bankautomaten auf das teure Pflaster.
Die Verantwortlichen waren ratlos und vermuteten zunächst einen üblen Vandalismus-Scherz mit Buttersäure. Erst eine botanische Untersuchung brachte die bittere Erkenntnis, dass sich elf der angeblich männlichen Bäume als Weibchen entpuppt hatten oder ihr Geschlecht im Alter gewechselt hatten.
Die Stadt musste eine teure Reinigungscrew abstellen, die die klebrige Masse täglich entfernte. Nun greift die Vertragsklausel aus der Planungsphase: Die Baumschule muss die elf betroffenen Bäume in einer aufwendigen Aktion gegen echte Männchen austauschen.
Nächste Schritte
Nur Weibchen stinken vehementDer ekelerregende Kotze-Geruch im Herbst wird zu einhundert Prozent von den reifen Samenanlagen weiblicher Ginkgobäume verursacht.
Buttersäure als HauptursacheDas Zerquetschen der herabgefallenen, mirabellenartigen Hüllen setzt flüchtige Buttersäure frei, die extrem stabil ist und tagelang an Schuhen haftet.
Kaufrisiko durch Veredelung minimierenWer einen Ginkgo pflanzen möchte, muss zwingend zu vegetativ vermehrten, männlichen Klonen greifen, um böse Überraschungen nach 20 Jahren zu vermeiden.
Schnelle Zusammenfassung
Wie kann ich verhindern, dass ein Ginkgo in meinem Garten stinkt?
Kaufen Sie im Fachhandel ausschließlich veredelte, garantiert männliche Sorten wie 'Tremonia' oder 'Fastigiata'. Vermeiden Sie billige Sämlinge aus unklarer Herkunft, da deren Geschlecht erst nach Jahrzehnten sichtbar wird.
Wann genau im Jahr fängt der Ginkgobaum an zu stinken?
Die Geruchsbelästigung beginnt im Spätherbst, meist ab Oktober, sobald die reifen Samenkerne vom Baum fallen. Je nach Witterung und Anzahl der Früchte kann sich der allmähliche Abfall bis in den Februar hineinziehen.
Ist der üble Geruch der Ginkgofrüchte giftig oder gefährlich?
Der Geruch selbst ist völlig ungiftig, schlägt empfindlichen Menschen aber schnell auf den Magen. Der Saft der fleischigen Hülle enthält jedoch Ginkgolsäuren, die bei direktem Hautkontakt starke allergische Reaktionen und Hautreizungen auslösen können.
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