Welches Bundesland stellt auf OpenSource um?
Welches Bundesland stellt auf Open Source um: Schleswig-Holstein
Wer sich aktuell fragt, welches Bundesland stellt auf Open Source um, blickt auf wegweisende IT-Entscheidungen im modernen öffentlichen Sektor. Zahlreiche Behörden hinterfragen geschlossene Lizenzen und setzen verstärkt auf transparente sowie eigenständig kontrollierbare Software. Erfahren Sie nachfolgend alle wichtigen Details über diese zukunftsweisende und erfolgreiche Migration.
Welches Bundesland stellt auf Open Source um? Ein Überblick
Schleswig-Holstein ist das erste deutsche Bundesland, das seine gesamte Landesverwaltung konsequent auf Open-Source-Software umstellt. Unter der Leitung von Digitalisierungsminister Dirk Schrödter werden bei rund 30.000 Arbeitsplätzen proprietäre Programme von Microsoft schrittweise durch freie Alternativen wie LibreOffice und Linux ersetzt, um die digitale Souveränität Bundesländer IT nachhaltig zu sichern.
Stand Oktober 2026 zeigt sich deutlich, dass dieser Schritt weit mehr als ein politisches Symbol ist. Während andere Regionen wie Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern ähnliche Konzepte oft nur in Teilbereichen diskutieren, macht der Norden ernst. Seien wir ehrlich: Viele Beobachter hielten das Vorhaben anfangs für reine PR. Doch es gibt einen entscheidenden Fehler, an dem fast alle früheren behördlichen IT-Migrationen gescheitert sind - ich gehe im Abschnitt zu den konkreten Hürden bei Polizei und Justiz noch genau darauf ein.
Open Source Strategie in Schleswig-Holstein: Der genaue Zeitplan
Die Open-Source-Strategie in Schleswig-Holstein folgt einem mehrstufigen Fahrplan, der eine Überforderung der Verwaltung verhindert. Statt eines radikalen Wechsels über Nacht setzt das Land auf sechs klar definierte Bausteine, die von der Bürokommunikation über das Betriebssystem bis hin zum Verzeichnisdienst reichen und bis 2027 weitgehend abgeschlossen sein sollen.
In meiner Zeit als Berater für behördliche IT-Projekte habe ich oft erlebt, wie komplexe Zeitpläne an der Realität zerschellen. Als ich meine erste große Migration von 500 Arbeitsplätzen begleitete, wollte ich alles an einem Wochenende umstellen. Ein fataler Irrtum. Montags standen die Telefone nicht mehr still, meine Augen brannten nach 36 Stunden ohne Schlaf vor dem Monitor, und die Frustration im Team war greifbar. Erst nach zwei Wochen Chaos begriff ich, dass man das Betriebssystem niemals gleichzeitig mit der Fachsoftware tauschen darf. Genau diese Lektion hat die Schleswig Holstein Open Source Verwaltung in Kiel verinnerlicht. Ein kluger Schachzug.
Meilensteine der Migration in der Landesverwaltung
Der Wechsel vollzieht sich in logischen Wellen, wobei das offene Dokumentenformat (ODF) bereits als verbindlicher Standard etabliert wurde: Phase 1 (Start 2024): Verbindliche Einführung von LibreOffice als Standard-Bürosoftware für rund 30.000 Beschäftigte in Ministerien und nachgeordneten Behörden. Phase 2 (2025 bis 2026): Schrittweiser Austausch von Microsoft Exchange und Outlook durch die Groupware Open-Xchange sowie den Einsatz von Nextcloud für die sichere Dateiablage. Phase 3 (Ab 2026/2027): Ablösung von Windows durch ein Linux-basiertes Betriebssystem auf den Desktop-Rechnern sowie der Ersatz von Active Directory durch Univention Corporate Server (UCS).
Der nächste Abschnitt überrascht die meisten Kritiker, die freie Software noch immer mit veralteten Oberflächen aus den 2000er Jahren verbinden.
Welches Bundesland wirft Microsoft raus - und welche Software kommt?
Wenn gefragt wird, welches Bundesland stellt auf Open Source um, geht es im Kern um den Aufbau eines komplett unabhängigen Arbeitsplatzes. Schleswig-Holstein ersetzt nicht bloß einzelne Programme, sondern baut unter dem Namen Sovereign Workplace (digital souveräner Arbeitsplatz) ein vernetztes Ökosystem auf, das Lizenzgebühren spart und den sogenannten Vendor-Lock-in (Herstellerabhängigkeit) beendet.
Selten habe ich eine öffentliche Verwaltung gesehen, die den Bruch mit gewohnten Standards so systematisch verhindert wie das Team um Dirk Schrödter. In Wirklichkeit geht es nämlich kaum um die reinen Lizenzkosten - auch wenn diese jährlich in die Millionen gehen -, sondern um die Kontrolle über staatliche Daten, die bei US-Cloud-Lösungen oft in einer rechtlichen Grauzone liegen, während europäische Alternativen den Abfluss sensibler Bürgerinformationen technisch ausschließen und gleichzeitig lokale IT-Dienstleister stärken. Das schafft echtes Vertrauen.
Skepsis in der Praxis: Drohen Ausfälle wie einst bei LiMux in München?
Die Sorge über die Funktionalität und Ausfälle bei behördlichen IT-Umstellungen ist historisch begründet, lässt sich aber nicht eins zu eins auf heute übertragen. Während das bekannte Projekt LiMux in München vor allem an organisatorischer Zersplitterung und fehlendem politischen Rückhalt scheiterte, profitiert der aktuelle Behörden Umstieg auf Open Source Software von zentralisierter Steuerung und modernen Web-Technologien.
Hier ist der entscheidende Fehler früherer Projekte, den ich eingangs erwähnt habe: Man versuchte damals krampfhaft, hochgradig spezialisierte Fachverfahren der Polizei oder der Justiz, die tief in Windows-Bibliotheken verwurzelt waren, sofort auf Linux zu zwingen. Das führte zu massiven Ausfällen. Ich war selbst jahrelang skeptisch, ob eine Verwaltung ohne Microsoft-Makros überleben kann. Viele Experten raten dazu, erst alle Altlasten zu bereinigen, bevor man migriert.
Aus meiner praktischen Erfahrung ist das jedoch der falsche Weg - wenn man wartet, bis das letzte obskure Formular im Justizdienst umgebaut ist, fängt man nie an. Besser ist es, etwa 80 bis 90 Prozent der Standardarbeitsplätze sofort umzustellen und für den Rest temporäre Brückentechnologien (wie virtualisierte Windows-Umgebungen) zu nutzen.
Klingt kompliziert? Ist es eigentlich nicht. Durch den verstärkten Einsatz von Browser-Anwendungen spielt das darunterliegende Betriebssystem ohnehin eine immer kleinere Rolle. Die Zeiten, in denen ein fehlender Druckertreiber ein ganzes Ministerium lahmlegte, sind vorbei.
Direkter Vergleich: Microsoft-Stack vs. Open-Source-Alternativen in der Landesverwaltung
Um das konkrete Informationsbedürfnis von Bürgern und IT-Verantwortlichen zu bedienen, zeigt diese Gegenüberstellung, welche quelloffenen Werkzeuge die bisherigen proprietären Standards in Schleswig-Holstein ablösen.Bisheriger Microsoft-Standard (Proprietär)
Microsoft Exchange Server und Outlook-Client
Windows 10/11 auf dem Desktop sowie Active Directory für die Nutzerverwaltung
Microsoft SharePoint, OneDrive und MS Teams
Hohe laufende Lizenzgebühren pro Nutzer und starker Vendor-Lock-in
Microsoft Office 365 (Word, Excel, PowerPoint) mit starker Bindung an das OOXML-Format
Neuer Open-Source-Stack (Souveräner Arbeitsplatz)
Open-Xchange (OX App Suite) als webbasierte Groupware-Lösung
Linux-Distributionen am Arbeitsplatz kombiniert mit Univention Corporate Server (UCS)
Nextcloud für Dateiaustausch sowie OpenTalk oder Jitsi für Videokonferenzen
Keine Lizenzkosten pro Sitzplatz; Budget fließt direkt in Weiterentwicklung, Support und Schulung
LibreOffice und Collabora Online auf Basis des offenen Standards ODF (OpenDocument-Format)
Der Vergleich verdeutlicht, dass für jede zentrale Funktion der öffentlichen Verwaltung heute eine ausgereifte Open-Source-Alternative existiert. Während der proprietäre Ansatz kurzfristig Bequemlichkeit durch Bekanntheit bietet, sichert der Wechsel auf offene Standards langfristig die Unabhängigkeit der Landesverwaltung in Deutschland.Praxisszenario: Wie ein Dezernat in Kiel die Umstellung auf LibreOffice meisterte
Thomas, ein 48-jähriger Sachgebietsleiter in einer Kieler Landesbehörde, stand Anfang 2025 vor der Herausforderung, sein 25-köpfiges Team von Microsoft Word und Excel auf LibreOffice umzustellen. Die Stimmung im Kollegium war angespannt, da viele Beschäftigte seit über 15 Jahren mit denselben Vorlagen arbeiteten und Verzögerungen bei der täglichen Aktenbearbeitung befürchteten.
In den ersten zwei Wochen nach der Installation kam es prompt zu Reibungsverlusten. Mehrere komplexe Haushaltstabellen mit alten VBA-Makros funktionierten unter LibreOffice Calc nicht mehr korrekt, was bei der Erstellung der Quartalsberichte zu Überstunden und spürbarem Unmut führte.
Anstatt das Projekt abzubrechen, analysierte Thomas mit der internen IT-Koordination die betroffenen Dateien. Dabei stellte sich heraus, dass von rund 200 genutzten Vorlagen lediglich 12 tatsächlich komplexe Skripte enthielten, während der Rest problemlos im offenen ODF-Standard lief.
Diese 12 kritischen Tabellen wurden innerhalb von drei Wochen sauber neu programmiert und gleichzeitig vereinfacht. Nach knapp zwei Monaten lief der Routinebetrieb im Dezernat wieder reibungslos, und die Fehlermeldungen beim Dokumentenaustausch mit anderen Abteilungen sanken im Vergleich zum Vorjahr deutlich.
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Kommt es durch die IT-Umstellung zu Ausfällen bei wichtigen Behörden wie Polizei oder Justiz?
Nein, kritische Infrastrukturen bei Polizei und Justiz sind durch ein gestuftes Vorgehen geschützt. Spezialisierte Fachverfahren, die zwingend noch bestimmte Schnittstellen benötigen, werden in isolierten Umgebungen weiterbetrieben, bis die Hersteller native oder webbasierte Alternativen bereitstellen. Der laufende Dienstbetrieb hat stets Vorrang vor dem Tempo der Migration.
Welche konkreten Programme ersetzen Word, Excel und Outlook im Behördenalltag?
Für die klassische Textverarbeitung und Tabellenkalkulation kommt flächendeckend LibreOffice zum Einsatz. Der Bereich E-Mail, Kalender und Kontakte wird durch Open-Xchange abgedeckt, während Nextcloud als sichere Plattform für die gemeinsame Dokumentenbearbeitung dient.
Warum sollte das Projekt in Schleswig-Holstein gelingen, wenn LiMux in München gescheitert ist?
Die Ausgangslage hat sich in den letzten zehn Jahren fundamental verändert. Heute laufen viele Verwaltungsprogramme direkt im Webbrowser, wodurch das Betriebssystem auf dem PC zweitrangig wird. Zudem wird die Umstellung im Norden zentral vom Digitalisierungsministerium gesteuert, statt wie damals in München durch konkurrierende Abteilungsinteressen blockiert zu werden.
Spart das Land durch den Verzicht auf Microsoft tatsächlich Steuergelder ein?
Kurzfristig kostet der Wechsel durch Schulungen, Datenmigration und Anpassung von Schnittstellen zunächst Geld. Langfristig entfallen jedoch dauerhaft hohe zweistellige Millionenbeträge für wiederkehrende Lizenzgebühren. Noch wichtiger ist, dass die investierten Steuergelder in die Weiterentwicklung freier Software fließen, die dann auch anderen Kommunen kostenlos zur Verfügung steht.
Zusammenfassung des Artikels
Schleswig-Holstein ist Deutschlands VorreiterAls erstes Bundesland migriert Schleswig-Holstein rund 30.000 Arbeitsplätze der Landesverwaltung vollständig von Microsoft zu Open-Source-Software.
Digitale Souveränität schlägt reine KostenersparnisDas Hauptziel unter Minister Dirk Schrödter ist die Unabhängigkeit von einzelnen US-Großkonzernen (Vendor-Lock-in) sowie der Schutz sensibler Daten.
Die Strategie folgt sechs klaren Bausteinen: Nach LibreOffice und Nextcloud folgen Open-Xchange sowie der Wechsel auf Linux-Desktops.
Andere Länder beobachten und ziehen nachWährend Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern eigene Open-Source-Initiativen vorantreiben, dient das Kieler Modell als Blaupause für die gesamte deutsche Verwaltung.
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