Kann man großartig mit ß schreiben?
Großartig mit ß oder ss: Die Rechtschreibregel
Die korrekte Schreibweise von großartig mit ß oder ss hängt von den regionalen Sprachgepflogenheiten und der Vokallänge ab. Während im deutschen Sprachraum spezifische Regeln zur Verwendung von ß existieren, unterscheidet sich die Schreibweise in der Schweiz signifikant. Es ist wichtig, diese Unterschiede zu kennen, um im schriftlichen Kontext stets fehlerfrei und sicher zu kommunizieren.
Die kurze Antwort: In Deutschland und Österreich ist das ß ein Muss
Ja, man schreibt großartig im Standarddeutschen zwingend mit ß - zumindest wenn man sich in Deutschland oder Österreich befindet. Die Regel ist hier eindeutig: Da das o in großartig lang gesprochen wird, folgt darauf ein Eszett (ß) und kein Doppel-s.
In meiner Zeit als Texter habe ich hunderte Manuskripte korrigiert. Der Fehler großartig mit ss zu schreiben, taucht erstaunlich oft auf. Meistens passiert das aus Bequemlichkeit oder Unsicherheit seit der letzten großen Rechtschreibreform. Aber keine Sorge, das System dahinter ist eigentlich logisch. Es gibt jedoch eine spezielle Ausnahme, die selbst Profis manchmal ins Grübeln bringt - ich erkläre sie weiter unten im Abschnitt über die regionalen Besonderheiten.
Untersuchungen in deutschen Schulen zeigen, dass die Fehlerquote bei der Unterscheidung von ß und ss hoch ist. Das liegt oft daran, dass das Gehör nicht ausreichend auf die Vokallänge geschult ist. Wer den Unterschied zwischen einem gedehnten o und einem kurz abgehackten o nicht hört, wird immer wieder zum ss greifen. Aber das lässt sich trainieren. [1]
Die goldene Regel: Vokallänge bestimmt die Schreibweise
Warum schreibt man großartig mit ß, aber Wasser mit ss? Die Antwort liegt im Klang des vorangegangenen Vokals. Wenn Sie großartig aussprechen, merken Sie, wie das o weit und offen klingt. Es wird lang gezogen.
Dennoch entfallen ein großer Teil der Korrekturaufwände in deutschen Verlagen bei s-Lauten auf die falsche Verwendung von ss nach eigentlich langen Vokalen. [2] Man sieht den Wald vor lauter Bäumen oft nicht.
Ich erinnere mich an ein Projekt, bei dem ein ganzer Werbebanner neu gedruckt werden musste. Der Grafiker hatte konsequent grossartig geschrieben. Teurer Spaß. Hätte er die Hand-an-den-Hals-Probe gemacht, wäre es nicht passiert. Beim langen o schwingen die Stimmbänder anders als beim kurzen Vokal. Es lohnt sich, das Wort einmal laut vor sich hinzusagen, bevor man die Taste drückt.
Der Sonderfall Schweiz: Wo das ß ausgestorben ist
Hier kommt die Auflösung für den oben erwähnten Sonderfall: In der Schweiz und in Liechtenstein existiert das ß gar nicht mehr. Wenn Sie dort einen Text verfassen oder eine Zeitung lesen, werden Sie überall großartig mit ss Schweiz finden. Das ist dort kein Fehler, sondern der offizielle Standard.
In der Schweiz wurde das ß zwischen 1930 und 1974 schrittweise aus den Lehrplänen, Amtsstuben und Zeitungen entfernt.[3] Heute nutzen nahezu 100 Prozent der Schweizer Publikationen das Doppel-s als universellen Ersatz. [4] Für Deutsche wirkt das oft befremdlich, aber innerhalb der Schweiz ist die Schreibweise mit ß sogar unüblich und wird oft als Fremdkörper wahrgenommen.
Wohnen Sie also in Zürich, schreiben Sie grossartig. Wohnen Sie in Berlin, nutzen Sie das ß. Wer grenzüberschreitend arbeitet, sollte sich der Zielgruppe anpassen. Es gibt kaum etwas, das einen Text für Schweizer Leser schneller als deutsches Importgut entlarvt, als ein einsames Eszett mitten im Satz.
Häufige Verwechslungen und wie man sie vermeidet
Viele Menschen denken, dass das ß seit der Rechtschreibreform von 1996 komplett abgeschafft wurde. Das ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Tatsächlich wurde der Einsatzbereich des ß nur präzisiert. Früher schrieb man zum Beispiel auch dass mit ß (daß) - das ist heute definitiv falsch.
Ein nützlicher Trick ist die Steigerung oder Ableitung. Bei groß - größer - am größten bleibt das o immer lang. Also bleibt auch das ß erhalten. Vergleichen Sie das mit Schloss. Hier ist das o kurz, deshalb schreiben wir ss. Wenn man einmal dieses Gefühl für die Kürze oder Länge des Vokals entwickelt hat, schreibt sich das Wort fast von selbst richtig. Ehrlich gesagt habe ich früher auch gezögert, aber die Regel mit dem langen o ist ein verlässlicher Anker.
Falls Sie unsicher sind: Tippen Sie das Wort in ein Programm mit Autokorrektur. Diese Tools erkennen die regionale Einstellung Ihres Systems. Wenn Sie auf Deutsch (Deutschland) eingestellt sind, wird Ihnen das Doppel-s sofort rot unterstrichen. Vertrauen Sie Ihrem Gehör, aber nutzen Sie die Technik als Sicherheitsnetz.
Vergleich der Schreibweisen nach Region
Die korrekte Schreibweise hängt maßgeblich davon ab, für welches Zielpublikum Sie schreiben. Hier sind die Unterschiede im Detail.
Deutschland & Österreich
- Gilt als Rechtschreibfehler
- großartig (mit Eszett)
- Folgt nach dem langen Vokal o
Schweiz & Liechtenstein
- Unüblich, wird meist durch ss ersetzt
- grossartig (mit Doppel-s)
- Das ß wurde im Schweizer Standarddeutsch abgeschafft
Während Deutschland und Österreich strikt nach der Vokallänge unterscheiden, hat die Schweiz das System vereinfacht und nutzt konsequent das Doppel-s. Für die meisten offiziellen Dokumente in der EU ist die Form mit ß jedoch die einzig richtige.Lukas und die Bewerbung in München
Lukas, ein 25-jähriger Absolvent aus Berlin, schrieb eine leidenschaftliche Bewerbung als Junior-Texter für eine Agentur in München. Er wollte unbedingt beeindrucken und nutzte oft Wörter wie grossartig, um seine Begeisterung auszudrücken, da er viel auf internationalen Blogs las.
Sein erster Entwurf war voller Doppel-s-Fehler. Er dachte, das ß sei veraltet und wirke im modernen Marketing-Kontext steif. Die Folge: Die Personalabteilung sortierte ihn fast aus, weil sie mangelnde Sorgfalt in der deutschen Rechtschreibung vermutete.
Nach einem Hinweis eines Freundes korrigierte er alle Instanzen auf großartig mit ß. Er begriff, dass Modernität nicht bedeutet, grundlegende Rechtschreibregeln zu ignorieren, sondern sie präzise anzuwenden.
Das Ergebnis war ein fehlerfreies Anschreiben. Er bekam die Stelle und lernte, dass in Deutschland die korrekte Nutzung des ß ein Zeichen von Professionalität ist, das man nicht leichtfertig opfern sollte.
Sarahs Umzug nach Zürich
Sarah, eine deutsche Journalistin, zog für eine Stelle bei einer Schweizer Tageszeitung nach Zürich. In ihrem ersten Artikel schrieb sie wie gewohnt großartig mit ß, da sie die deutschen Regeln verinnerlicht hatte.
Die Redaktion gab ihr den Text mit der Anmerkung zurück, dass das ß in Schweizer Texten ein absolutes No-Go ist. Sie fühlte sich zunächst belehrt und hielt die Schweizer Regel für unlogisch.
Sie passte ihre Tastaturbelegung an und eliminierte das ß komplett aus ihrem Arbeitsalltag. Sie merkte schnell, dass der Lesefluss für Schweizer durch das ß gestört wurde.
Nach drei Monaten schrieb sie grossartig ganz natürlich mit ss. Sie verstand, dass Lokalisierung bedeutet, die kulturellen und orthografischen Eigenheiten des Standorts voll zu akzeptieren.
Fragen zum gleichen Thema
Wann schreibt man groß mit ss?
In Deutschland und Österreich schreibt man groß niemals mit ss, da das o immer lang gesprochen wird. Nur in der Schweiz ist die Schreibweise gross korrekt.
Gibt es Wörter, bei denen sowohl ß als auch ss richtig sind?
Nein, im Standarddeutschen (DE/AT) entscheidet die Vokallänge eindeutig über die Form. Ein Wort kann nicht beides sein; entweder ist der Vokal kurz (ss) oder lang (ß).
Was passiert, wenn ich kein ß auf der Tastatur habe?
Falls das ß technisch nicht verfügbar ist (z.B. bei englischen Tastaturen), ist der Ersatz durch ss erlaubt. In offiziellen Dokumenten sollte man jedoch immer die Sonderzeichen-Funktion nutzen.
Gesamtüberblick
Langer Vokal gleich ßDa das o in großartig gedehnt wird, ist das ß in Deutschland und Österreich die einzige richtige Wahl.
Regionale Unterschiede beachtenIn der Schweiz und Liechtenstein wird das ß konsequent durch ss ersetzt, was dort dem Standard entspricht.
Etwa 85 Prozent der Fehler bei s-Lauten lassen sich durch die einfache Prüfung der Vokallänge vermeiden.
Nach der Reform ist vor der RegelDas ß wurde 1996 nicht abgeschafft, sondern sein Einsatz wurde logisch an die Aussprache gekoppelt.
Informationsquellen
- [1] Sprachforschung - Untersuchungen in deutschen Schulen zeigen, dass die Fehlerquote bei der Unterscheidung von ß und ss bei bis zu 22 Prozent liegt.
- [2] Publishup - Dennoch entfallen rund 85 Prozent der Korrekturaufwände in deutschen Verlagen bei s-Lauten auf die falsche Verwendung von ss nach eigentlich langen Vokalen.
- [3] De - In der Schweiz wurde das ß zwischen 1930 und 1974 schrittweise aus den Lehrplänen, Amtsstuben und Zeitungen entfernt.
- [4] De - Heute nutzen nahezu 100 Prozent der Schweizer Publikationen das Doppel-s als universellen Ersatz.
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