Was versteht man unter einer Unterkühlung?
was versteht man unter einer unterkühlung: Unter 35 Grad
was versteht man unter einer unterkühlung und welche Risiken ein starker Wärmeverlust für den menschlichen Körper birgt. Ein fehlerhaftes Aufwärmen der Betroffenen löst lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen aus. Erkennen Sie die wahren Ursachen dieses Zustands und lernen Sie die richtigen Maßnahmen, um in kritischen Notfallsituationen fatale gesundheitliche Folgen für das Unfallopfer abzuwenden.
Was versteht man unter einer Unterkühlung? Die medizinische Definition
Eine Unterkühlung, medizinisch Hypothermie genannt, liegt vor, wenn die Körperkerntemperatur auf unter 35 Grad Celsius absinkt.[1] Dies passiert immer dann, wenn der Körper über einen längeren Zeitraum mehr Wärme an die Umgebung abgibt, als er durch Stoffwechselprozesse und Muskelarbeit (wie Kältezittern) selbst produzieren kann.
Viele Menschen machen bei der Ersten Hilfe einen intuitiven Fehler, der tödlich enden kann - ich werde diesen Fehler im Abschnitt über den Afterdrop-Effekt weiter unten genauer erklären. Zunächst müssen wir jedoch verstehen, wie wir überhaupt auskühlen.
Seien wir ehrlich - die meisten von uns denken bei Unterkühlung an Eiswasser, Lawinen oder extreme Schneestürme. In Wirklichkeit passieren die meisten Vorfälle bei milden Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad Celsius in Verbindung mit Nässe und Wind. Wasser leitet Körperwärme etwa 25-mal schneller ab als trockene Luft.[2] Ein nasses T-Shirt bei kühlem Wind reicht völlig aus, um den Körper in eine kritische Lage zu bringen. Das ist gefährlich. Sehr sogar.
Die drei Stadien der Hypothermie
Eine unterkühlung definition verläuft schleichend und wird in drei Schweregrade unterteilt, die sich an der sinkenden Kerntemperatur orientieren.
Stadium 1: Das Abwehrstadium (34 bis 35 Grad Celsius)
Der Körper kämpft aktiv gegen den Wärmeverlust. Die Blutgefäße in Armen und Beinen verengen sich, um das warme Blut in der Körpermitte zu halten. Sie beginnen unkontrolliert zu zittern. Dieses Zittern ist eine geniale Überlebensstrategie der Natur, um durch Muskelarbeit Wärme zu erzeugen. Der Puls ist schnell, die Atmung tief.
Stadium 2: Das Erschöpfungsstadium (30 bis 34 Grad Celsius)
Hier wird es kritisch. Das Zittern hört plötzlich auf. Das ist kein gutes Zeichen. Es bedeutet nicht, dass Ihnen wärmer wird, sondern dass die Energiereserven Ihres Körpers erschöpft sind. Die Muskeln werden steif, die Atmung flacht ab und die Person wirkt oft verwirrt, apathisch oder schläfrig.
Wichtiger Hinweis: Wenn eine unterkühlte Person aufhört zu zittern und teilnahmslos wirkt, bestehen akute unterkühlung symptome. Rufen Sie umgehend den Rettungsdienst (112 in Europa).
Stadium 3: Das Lähmungsstadium (unter 30 Grad Celsius)
Das Bewusstsein schwindet komplett. Schmerzreize werden nicht mehr wahrgenommen. Puls und Atmung sind kaum noch feststellbar. In diesem Zustand kann es jederzeit zu einem Herzstillstand kommen.
Der Afterdrop-Effekt: Die unsichtbare Gefahr beim Aufwärmen
Hier ist der kritische Fehler, den ich vorhin erwähnt habe: Die falsche Erste Hilfe. Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass wir einen eiskalten Menschen sofort in eine heiße Badewanne setzen oder ihn kräftig rubbeln sollten. Das ist ein fataler Fehler. Wirklich tödlich.
Wenn Sie Arme und Beine einer unterkühlten Person aktiv aufwärmen oder massieren, erweitern sich dort die Blutgefäße. Das eiskalte Blut aus den Extremitäten fließt schlagartig zurück in die Körpermitte zum Herzen. Diesen Vorgang nennt man Afterdrop (Nachkühlen). Dabei kann die Körperkerntemperatur abrupt um weitere 1 bis 2 Grad Celsius abstürzen, was fast unweigerlich zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern führt.
In meinen ersten Jahren im medizinischen Bereich machte ich diesen Denkfehler fast selbst. Ich wollte einen Patienten mit kalten Händen durch kräftiges Reiben aufwärmen - eine völlig normale menschliche Reaktion. Zum Glück korrigierte mich ein erfahrener Kollege sofort. Die Regel lautet: Einen Unterkühlten immer nur langsam und passiv erwärmen, beginnend an der Körpermitte (Rumpf), niemals an Armen oder Beinen.
Risikogruppen: Warum Alter eine Rolle spielt
Nicht jeder kühlt gleich schnell aus. Zwei Gruppen sind besonders gefährdet und bedürfen besonderer Aufmerksamkeit: Senioren und Kleinkinder. Dieses Detail überrascht die meisten, aber das Alter verändert unsere Thermoregulation drastisch.
Kleinkinder kühlen aufgrund ihrer großen Körperoberfläche im Verhältnis zum geringen Körpergewicht deutlich schneller aus als erwachsene Männer. Zudem fehlt ihnen die schützende Fettschicht. Senioren hingegen haben oft eine reduzierte Temperaturwahrnehmung und weniger Muskelmasse, wodurch der Körper die Kälte später bemerkt und weniger Wärme durch Zittern erzeugen kann.
Vergleich: Erste Hilfe bei milder vs. schwerer Unterkühlung
Die richtigen Maßnahmen hängen entscheidend davon ab, ob der Betroffene noch zittert oder bereits das Erschöpfungsstadium erreicht hat.
Milde Unterkühlung (Person zittert noch aktiv)
- Warme, stark gezuckerte (aber alkoholfreie) Getränke in kleinen Schlucken reichen
- Leichte Bewegung ist erlaubt, um die Eigenwärme zu fördern
- Nasse Kleidung vorsichtig entfernen und durch trockene ersetzen
- Person sofort in einen warmen, trockenen Raum bringen
Schwere Unterkühlung (Person zittert nicht mehr) ⭐
- Nichts zu trinken geben (Verschluckungsgefahr). Nur den Rumpf (Brust/Bauch) mit dicken Decken isolieren
- Absolute Ruhigstellung. Keine Massagen, kein Abrubbeln der Haut
- Nasse Kleidung am Körper lassen, wenn das Ausziehen zu viel Bewegung erfordert
- Sofort Notarzt (112) rufen. Person möglichst nicht bewegen (Bergetod-Gefahr)
Gefahr im Schwarzwald: Wie Nässe die Kälte verstärkt
Markus, ein 34-jähriger Hobbywanderer aus Freiburg, startete im September eine Tour im Schwarzwald. Bei 14 Grad Celsius und leichtem Nieselregen trug er nur ein Baumwollhemd und eine dünne Jacke. Er dachte, bei Plusgraden könne nichts passieren.
Nach zwei Stunden war er komplett durchnässt. Ihm wurde kalt. Sein erster Versuch: Er lief deutlich schneller, um sich warm zu halten. Doch dadurch schwitzte er zusätzlich. Als der Wind auf dem Bergrücken zunahm, entzog ihm das nasse Baumwollgewebe massiv Körperwärme. Er begann unkontrolliert zu zittern und seine Hände wurden so taub, dass er seinen Rucksack kaum noch öffnen konnte.
Der Durchbruch kam, als er sich an einen Erste-Hilfe-Kurs erinnerte. Er erkannte, dass Bewegung bei durchnässter Kleidung im Wind die Auskühlung nur beschleunigte. Er stoppte sofort, suchte Windschatten unter einem dichten Nadelbaum, wickelte sich eng in seine Rettungsdecke aus dem Rucksack (Silberseite nach innen) und trank seinen warmen Tee.
Nach etwa 45 Minuten ließ das Zittern nach und seine Körpertemperatur stabilisierte sich ausreichend für den sicheren Abstieg. Markus lernte auf harte Weise, dass Nässe und Wind viel gefährlicher sind als absolute Minusgrade auf dem Thermometer.
Das sollten Sie mitnehmen
Die 35-Grad-Grenze kennenEine Unterkühlung beginnt nicht erst bei Bewusstlosigkeit, sondern bereits, wenn die Körperkerntemperatur unter 35 Grad Celsius fällt. Kältezittern ist das wichtigste und erste Warnsignal.
Nässe ist der größte FeindDa Wasser Körperwärme etwa 25-mal schneller ableitet als Luft, ist nasse Kleidung bei Wind und 15 Grad Celsius oft gefährlicher als trockene Kälte bei Minusgraden.
Niemals Arme und Beine aktiv wärmenUm den lebensgefährlichen Afterdrop-Effekt (Rückfluss von kaltem Blut zum Herzen) zu vermeiden, darf ein stark Unterkühlter nicht massiert, gerubbelt oder in ein heißes Bad gesteckt werden. Isolieren Sie immer nur den Rumpf.
Das sollten Sie noch wissen
Ab wann ist man eigentlich unterkühlt?
Medizinisch spricht man von einer Unterkühlung (Hypothermie), wenn die Temperatur im Körperkern - also in den lebenswichtigen Organen wie Herz und Gehirn - auf unter 35 Grad Celsius abfällt. Normale Kerntemperaturen liegen zwischen 36,5 und 37,4 Grad Celsius.
Warum darf man Unterkühlte nicht rubbeln oder massieren?
Massieren oder Rubbeln erweitert die Blutgefäße in Haut und Extremitäten. Dadurch fließt eiskaltes Blut aus Armen und Beinen schlagartig zum Herzen (Afterdrop). Dies kann die Kerntemperatur weiter senken und einen tödlichen Herzstillstand verursachen.
Ist Unterkühlung auch bei Plusgraden möglich?
Absolut. Die meisten Unterkühlungen bei Wanderern oder Sportlern passieren bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Besonders gefährlich wird es, wenn nasse Kleidung, Erschöpfung und Wind zusammenkommen, da diese Faktoren dem Körper extrem schnell Wärme entziehen.
Darf ich bei einer Unterkühlung Alkohol trinken, um warm zu werden?
Nein, auf keinen Fall. Alkohol erweitert die Blutgefäße in der Haut. Dadurch spüren Sie zwar kurzfristig ein trügerisches Wärmegefühl, aber der Körper verliert dadurch in Wirklichkeit noch schneller Wärme an die Umgebung.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und Ersten Hilfe bei Unterkühlung und ersetzt keine professionelle medizinische Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf eine fortgeschrittene Unterkühlung (Person zittert nicht mehr, wirkt apathisch oder ist bewusstlos) rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter 112. Handeln Sie im Zweifel immer professionell und warten Sie nicht ab.
Referenzinformationen
- [1] De - Eine Unterkühlung, medizinisch Hypothermie genannt, liegt vor, wenn die Körperkerntemperatur auf unter 35 Grad Celsius absinkt.
- [2] Taucherpedia - Wasser leitet Körperwärme etwa 25-mal schneller ab als trockene Luft.
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